Ausstellungen: Mannheim/Graz · von Sigrid Feeser · S. 370
Ausstellungen: Mannheim/Graz , 1991

Sigrid Feeser

Hans Peter Adamski

Mannheimer Kunstverein, 19.5. – 16.6.1991

Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz, 1992

Die mit groben Umrißlinien zu Zeichnungen verwandelten Flokatiteppiche an der Wand strömen schmuddelige Behaglichkeit aus. Auf einem sieht man ein munter voranschreitendes Bein, unterm Schuh hängt ein wenig glibbriges Blut im Zottelhaar; einen armen Wurm traf der Tritt. „Mein haptisches Verhältnis zu Materialien ist ein erotisches“, sagt Hans Peter Adamski, der auf Salzteig, Silikon und eben auch Flokati schwört. Sein Bildertheater ist eines der frohen Laune, des unbestechlichen Heitersinns.

Wenn jetzt ein Typ mit der Coladose hereinkäme, man könnte ihm nicht einmal gram sein. Die Ausstellung im Mannheimer Kunstverein ist wie ein Spaziergang im Warenhaus der Beliebigkeiten. Bühnenreif, wie er festhält am antitraditionalistischen Rundumschlag. Anfang der achtziger Jahre gehörte der 1947 geborene Wahl-Kölner zur Speerspitze des neoexpressiven Aufbruchs. Die Tage der „Mülheimer Freiheit“ sind nun vorbei, aus dem Spektakel der „Jungen Wilden“ ist platte Alltäglichkeit geworden.

Natürlich ist Adamski nicht auf den einmal eingenommenen Positionen sitzengeblieben. In den jüngsten Bildern fasziniert eine neue Hochrüstung der Mittel. Dekorative Üppigkeit hat sich angesagt. Zum Beispiel die im letzten Jahr entstandene Serie der „Welthölzer“. Bilder, meint Adamski, gehören zu den entzündlichen Waren. Feuer lassen sich entzünden, eine Leidenschaft entzündet sich, Entzündungen werden zu schwärenden Wunden, man denkt an Eiter und Tod.

Lässig und schrecklich indiskret werden auf fast bettdeckengroßen Leinwänden Streichhölzer und Skeletteile aus dem Anatomiebuch eines längst verblichenen Professors aus Erlangen zusammengebracht: Knochenhände in entspannter Haltung, Schädel en face und im Profil, ein schütterer Brustkorb hier, ein Becken da. Die Streichhölzer sind…

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