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Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 350 - 350
Ausstellungen: Köln , 1993

Jürgen Raap
Hermann Pitz

»La Calunnia« (Die Verleumdung)
Galerie Reckermann und Heidi Reckermann Fotografie, Köln, 30.4. – 10.6.1993

Die Ausstellungsinszenierung folgt der Dramaturgie der Arie „La Calunnia“ aus Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“, bei der Text und Musik partiell gegenläufig sind, d.h., das harmonische „Erscheinen“ der Töne ist different gegenüber der inhaltlichen Gewichtung einzelner Textteile. Hermann Pitz greift dieses Prinzip sowohl in der Abfolge der Exponate auf als auch in ihrer Dimensionierung: Großformatige Lichtdrucke, die wie Schautafeln aufgerollt sind, hängen neben kleinen „Testfotos“ und Polaroids, kompakte Lichtkästen wechseln sich mit einer Konzeptzeichnung auf Transparentpapier ab, das auf die Fensterscheibe geklebt worden ist. Hölzerne Tropfenformen und Objekte mit Lackabdrücken von Siegelringen, die als „Negativform“ eines (Wasser-)Tropfens zu verstehen sind, sowie eine Holzwand aus einem alten Apothekerschrank mit Ladenuhr komplettieren die Ausstellung: Auf den ersten Blick scheinen die verschiedenen Exponate nichts miteinander zu tun zu haben, so daß sie sich eben nicht zu einer geschlossenen Werkgruppe verdichten. Und doch gibt es bei dieser auf die Opernarie bezogenen Heterogenität eine strukturelle Klammer, wenn man nämlich die Tropfenformen mit einem Augapfel assoziiert.

Wie leisten beim stereoskopischen Sehen die beiden Augenräume nicht nur rein physiologisch eine Zusammenschaltung der Netzhautbilder zu visueller dreidimensionaler Wahrnehmung, sondern wie resultiert daraus eine Vorgabe für die intellektuelle Bewertung des Gesehenen, d.h., wie begreifen wir auf der Erkenntnisebene das Gesehene als Realität (und nicht als bloße Illusion)? Pitz sucht die Antwort darauf u.a. in Pappobjekten mit Kippungen und Faltungen hinter Glas (Titel: „Inversion“), in Experimenten mit Veränderungen des Blickwinkels bei gedrehtem Kopf und…



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