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Titel: Gegenwartsbefreiung Malerei - Digitale Malerei · von Anika Meier · S. 192 - 201
Titel: Gegenwartsbefreiung Malerei - Digitale Malerei ,

Ist das noch Malerei?

Über Malerei im digitalen Zeitalter
von Anika Meier

Das Bild war plötzlich überall auf Instagram. „DO NOT TAKE ANY MORE PHOTOGRAPHS YOU HAVE TAKEN ENOUGH“ steht in Großbuchstaben über einer Reihe gezeichneter Kameras. Das Bild ist von David Shrigley.1 Besonders Fotografen haben es geteilt. Natürlich wird niemand der Aufforderung folgen, doch bitte weniger Bilder zu machen, weil es schon genug davon gibt. Bilder sind im Zeitalter der sozialen Medien Mittel der Kommunikation in privaten Chatverläufen und auf öffentlichen Profilen. Bilder sind in Bewegung, sie werden geteilt und weitergeleitet, runter- und wieder hochgeladen, kopiert und eingefügt, komprimiert und collagiert und und und. Hito Steyerl spricht von „armen Bildern“, weil die Qualität schlecht ist und schlechter wird, wenn Kopien im Internet in Bewegung sind. „Es ist das Gespenst eines Bildes, eine Vorschau, eine Miniatur, eine umherschweifende Idee, ein umsonst verbreitetes Wanderbild (…)“, schrieb sie in ihrem Text „In Verteidigung des armen Bildes“ im Jahr 2009.2 Bilder wie das von Shrigley haben ein Ziel: die rasante massenhafte Verbreitung. Viralität statt Singularität. David Joselit hat mit Verweis auf Martin Kippenberger in seinem Essay Painting Beside Itself daran erinnert, dass Gemälde immer Teil eines Netzwerks sind, seien es der Boden, die Architektur und die Wandfarbe in einer Galerie. Heute kommt das Internet als digitaler Raum hinzu. Das ist auch einer der Ratschläge, den die kanadische Künstlerin Chloe Wise (* 1990) von Brad Troemel bekommen hat, als sie seine Assistentin war: „(…) the image has mobility. It’s nomadic. Because of reblogs and tweets, it traverses…

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