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Ausstellungen: Wien/Bonn/Hannover · S. 381 - 382
Ausstellungen: Wien/Bonn/Hannover , 1991

Ulli Moser
Jakob Weder

Haus Wittgenstein, Wien, 25.1. – 24.2.1991

Die Vorstellung, Farben einem ähnlich objektivierbaren System, wie es die Tonleiter in der Musik darstellt, zuzuordnen, bestimmte besonders im 20. Jahrhundert die Arbeit einer großen Zahl von Künstlern.

Kandinskys 1911 erschienenes Traktat „Das Geistige in der Kunst“ basiert auf dessen Faszination für die Musik. Die im Buch vorgestellte Idee vom „inneren Klang“ der Farben und Formen bot eine erste Harmonielehre für eine neue, von jedem „praktischen“ Zweck unabhängige Konzeption der Malerei. Adorno sah gleichzeitig in seinem Essay „Über einige Relationen zwischen Musik und Malerei“ die Annäherung beider Ausdrucksformen am ehesten dann erfüllt, wenn sich die Malerei vom Gegenstand befreien könnte. Die Auseinandersetzung mit dieser Problemstellung führte zu unterschiedlichsten und vielfältigsten Ergebnissen innerhalb der internationalen Kunstrichtungen. In den zehner und zwanziger Jahren: Delaunay, Kupka, Mondrian, Van Doesburg, Klee, Albers, Itten. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts: Richard Paul Lohse, Robert Strübin, Karl Gerstner, um nur einige wenige zu nennen, die Musik als methodisches Modell für ihre Malerei betrachteten.

Der Schweizer Jakob Weder (1906 – 1990) widmete sich dieser Frage in seinem späten malerischen Werk, ausgehend von wissenschaftlicher Forschungsarbeit. Mit Hilfe aufwendiger mathematischer Berechnungen über Verhältnisse von Farbwerten hat er es sich zum Ziel gesetzt, objektive (relationale) Aussagen über Farben zu formulieren. Als Vorbild dieser angestrebten Ordnung dienten ihm die strenge Tonalität und Harmonielehre der klassischen Musik. Seine Untersuchungen führten ihn zur Erkenntnis, daß die herkömmlichen Farbordnungen auf grundverschiedenen Systemen beruhten. Die traditionelle Mischung der Pigmente auf der Palette führte zu völlig anderen Ergebnissen als die…


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