Ausstellungen: Bonn · von Ingo Arend · S. 332
Ausstellungen: Bonn , 1995

Ingo Arend

Jean-Luc Vilmouth

Bonner Kunstverein, 5.10. – 27.11.1994

Animal public“. Öffentliches Tier. Der schwierig zu übersetzende Titel der ersten großen Einzelausstellung des 1952 geborenen französischen Künstlers Jean-Luc Vilmouth weist auf eine markante Ambiguität seines Werkes hin. Aus der als Retrospektive seiner Arbeiten von 1986-1994 angelegten Ausstellung leuchtet das Thema der Grenzlinie zwischen Natur und Kultur hervor. Die Porzellanmaske des Elefanten, die sich der Künstler auf dem Ausstellungsplakat vor das Gesicht hält, könnte man so deuten: Im Grunde sind wir alle öffentliche Tiere. Der Blick durch die künstlich nachgeformte Maske der Natürlichkeit gibt eine neue Sicht frei auf das Amalgam Zivilisation aus Natur und Kultur.

Vilmouths Beteiligung an der Ausstellung „Leçon des choses“ 1982 in der Kunsthalle Bern weist ihn als Vertreter einer jüngeren Kunstrichtung aus, die sich zunehmend mit der Dingwelt beschäftigt. In diese Tradition passt die Objektgruppe „Un style“ von 1994, die Vilmouth einer ähnlichen, für Jan Hoets „Chambre des Amis“ installierten Situation speziell für den Bonner Kunstverein mit Leihgaben aus dem Bonner Haus der Geschichte nachgestellt hat. Plastikmöbel aus den sechziger Jahren stehen in einem geschlossenen Kreis. Eine dreistrahlige Deckenlampe ist tief bis unter die Sesselkanten gezogen. Ein idealer Kommunikationsort ist das nicht. Man kann sich darüber streiten, ob diese inhaltliche und formale Frage nach dem Kontext so wahnsinnig neu ist. So still und überaus formbezogen wie das jeweilige Konzept umgesetzt wird, rechtfertigt das Annelie Pohlens Charakterisierung als „konzeptueller Poet“, auch wenn dieser wohlfeile Terminus sich inzwischen zu einem catch-all-Begriff abgenutzt hat.

Der Ineinsfall von Konzept und Ästhetik zeigt sich bei einer…

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