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Ausstellungen: Düsseldorf · S. 357 - 357
Ausstellungen: Düsseldorf , 1991

Heinz-Norbert Jocks
Julia Lohmann

Galerie Schmela, 16.4. – 24.5.1991

Auf Anhieb leuchtet ein, warum gängige Auslegungen ihrer Bilder als Psychogramme oder als Aktionen im Vorbereich des Verstehens hängenbleiben. So expressiv Julia Lohmann auch mit Farben umspringt und in gegenstandslose Kontrastverbindungen treibt, so sehr laufen wir Gefahr, ihre Grundidee zu übersehen. Mit dem Thema des Schichtens beschäftigt, setzt sie ein Schwarz über ein Rot, unter dem ein Braun haust, eine Neigung zu sichtbaren Übermalungen. Indem sie andere Materialien wie Röntgenaufnahmen einklebt, signaliert sie, wie sehr sie sich für das interessiert, was sich hinter der Oberfläche eines Stoffes verbirgt. Immer wieder suggerieren ihre Leinwände den mythischen Augenblick der Genesis, wo sich Licht von Finsternis scheidet. Ein Drama der Farben, die zwischen Rot, Schwarz, Blau und Weiß oszillieren, ein heftiges Fließen und Fliehen. Es ist ein ständiges Atmen von innen nach außen, ein andauernder Wechsel von Transparenz und Verdunkelung, von Dichte und Durchlässigkeit, Verströmen von Farbpartikeln und Farbbahnen, die die Vitalität dieser Werke ausmachen. Die gemischt auftretenden Farbwerte treten miteinander in spannende Korrespondenzen, tendieren zu Harmonien und Dissonanzen, locken aber auch in Bezirke diverser Assoziationen. Gegenstandsfrei, geben die Farben trotzdem Kunde von Wunschgegenden, in denen sich Julia Lohmann aufhielt, insofern handelt es sich also um Erinnerungsfarben. Mit Gelb und Violett verbinden sich Wahrnehmungen, wie sie sie in der Wüste von Kalifornien einsammelte und nun, da sie für Weite und Licht stehen, symbolischen Charakter tragen. Derartige Verknüpfungen sind nicht a priori intendiert, sie fließen einfach ein, und diese Selbstverständlichkeit ist es, die sich hier als Ausdrucksverstärker…


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