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Ausstellungen: Bonn/Köln/Stuttgart · S. 369 - 369
Ausstellungen: Bonn/Köln/Stuttgart , 1991

Jürgen Raap
K. G. Gaida

»Einheimische Tiere«

Galerie Klein, Bonn, 1.2. – 13.3.1991 (Teil 1)

Galerie Hajo Müller, Köln, 26.4. – Ende Juli 91 (Teil 2)

Galerie Kubinski, Stuttgart, 2.5. – Juli 91 (Teil 3)

Aal glatt“ wie im Larvenstadium ist kaum etwas in dieser Welt. K.G. Gaidas bildnerische Absichten münden in Irritationen: Sein 29 Arbeiten umfassender Werkzyklus „Einheimische Tiere“ ist eine ironische Aushöhlung und Umkehrung wissenschaftlicher Lehrbuchsystematik und der Denkweise, die solchen Ordnungsvorgängen zugrunde liegt. Der künstlerische Eingriff in das Bildungsgut von Lexika und populärwissenschaftlichem Material, von Zeitungsmeldungen, die gemeinhin unter der Rubrik „Vermischtes“ oder „Aus aller Welt“ erscheinen, führt auf verschiedenen Ebenen zwischen den Bild-Text-Strukturen zu Paradoxien, Doppelbödigkeiten und Widersinn. In der Zeitschrift „Hans Kultur“ hatte Gaida seinerzeit „Mitteilungen aus der Zivilisation“ verbreitet, und hier war ebenso wie in dem einmalig erschienenen Reader „Quasar“ der Unterschied zwischen Fiktion, Realsatire und einer Dokumentation abseitiger Pfade wissenschaftlichen Vorgehens und höchst obskurer,von den ursprünglichen Verfassern jedoch ernst gemeinter, kultur- und volkskundlicher Phänomene auf den ersten Blick nicht ohne weiteres nachvollziehbar.

Auch die Betrachtung einer Formulierung wie „Einheimische Tiere“ führt zu einer Entlarvung von Bewußtseinshaltungen, vergleichbar mit Wittgensteins sprachphilophischen Untersuchungen: Exotisch ist nur das fremden Kulturkreisen Zugehörige, für die Ägypter indessen ist das Krokodil ein einheimisches Tier. „Einheimisch“ ist für Gaidas Tierbilder denn auch weniger ein geographischer, sondern ein sprachlicher Begriff, seine Wortspiele wären kaum von der deutschen in eine andere Sprache übersetzbar. Es tauchen fiktive Bezeichnungen wie „Tintenbeutler“ auf oder auch tatsächliche zoologische Begriffe wie das „Faselschwein“ (ein junger Eber“), die bildlich umgedeutet werden: Die „Herbsttrompete“ ist…


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