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Ausstellungen: Genf · S. 351 - 352
Ausstellungen: Genf , 1990

Renate Puvogel
Keith Sonnier

Halle Sud und Galerie Faust, Januar bis März 1990

Die Halle Sud auf der Rhône-Insel ist wie geschaffen für das Werk von Keith Sonnier, denn seine Arbeiten aus glänzendem Stahl und weißem oder farbigem Neonlicht spiegeln sich in den die beiden rechteckigen Säle voneinader trennenden Glaswänden. Über den Innenhof hinüber verdoppelt sich die Lichtbrechung zu einer festlichen Lichtschau. Dennoch hat, wenn man die Räume betritt, jedes Objekt sein eigenes begrenztes Strahlfeld, und es kommt nicht etwa zu einer ganzheitlichen Inszenierung, wie man sie bei Sonniers amerikanischem Landsmann Dan Flavin erleben kann. Man kann vielmehr anhand der wenigen exemplarischen Stücke den Werdegang des Künstlers von den späten 60er Jahren bis heute nachvollziehen.

Ein separater Raum ist den frühen Arbeiten gewidmet. Zwischen Boden und Wand entspinnt sich ein Dialog von feinsten diaphanen lichtgetränkten Materialien; blindes und blinkendes Metall, zarte Tülltücher und Stein zeigen duftige Valeurs zwischen grau und weiß, Farbe tritt noch nicht auf in diesen postminimalistischen Arbeiten. Sonnier hat den Verfechtern minimalistischer Primärstrukturen nach kurzem Intermezzo 1965 – Teilnahme an der Rutgers-Group um Robert Morris – rasch den Rücken gekehrt, um dann seinerseits stereometrische Vorgaben mit einer Art Antiform zu überlagern. Sein Steintrog mit langer Stange „Slot Trough“ ist von einem pulvergetränkten, durchsichtigen Gewebe bedeckt; es überspielt die strengen Formen und kreiert eine ungeregelte, energetische Beweglichkeit, welche in dem Wandstück „Eclipse II“ von 1968 in grazile, schwerelose und materiearme Transparenz einer mondsichelförmigen Neonröhre und um sie drapierte lange Tüllbänder mündet. Diesen Grad an Immaterialität strebt er später nie wieder an….


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