Ausstellungen: Karlsruhe · von Johannes Meinhardt · S. 298
Ausstellungen: Karlsruhe , 2012

Johannes Meinhardt

Klang, Geräusch, Sound

»Sound Art. Klang als Medium der Kunst«

ZKM | Medienmuseum, Karlsruhe, 17.3.2012 – 6.1.2013

Als im frühen 20. Jahrhundert sich in der Musik allmählich die Einsicht durchsetzte, dass die traditionelle Sprache der neuzeitlichen europäischen Musik, die Tonalität, sich erschöpft hatte – sie war sowohl kombinatorisch als auch ästhetisch an ihr Ende gekommen –, gab es vier aufeinander folgende und zunehmend radikale Reaktionen darauf; Reaktionen, die den Bereich der Musik zu erweitern versuchten. Schon im späten 19. Jahrhundert hatten vor allem französische Komponisten (Maurice Ravel, Claude Debussy), von der späten Romantik beeinflusst, neue Tonleitern benützt; teilweise exotische oder antike Tonleitern, teilweise völlig neu konstruierte (wie etwa die Ganztonreihe). Eine zweite Reaktion war der Vorschlag, die bestehenden 12 Halbtöne der Oktave weiter zu unterteilen, also Vierteltöne, oder sogar auch Drittel- und Sechsteltöne einzuführen. Ferruccio Busoni hatte 1907 diesen Vorschlag gemacht und eine Reihe von Komponisten hatte ihn aufgegriffen (Charles Ives, Dmitrij Schostakowitsch, Ivan Wyschnegradsky). Eine dritte Reaktion war die Ablösung der Musik von der Rücksichtnahme auf das tonale Hören mit seiner Unterscheidung von Konsonanzen und Dissonanzen: die Zwölftontechnik, die Arnold Schönberg nach einer Zwischenphase der freien Atonalität ab 1923 anwandte.

Die vierte, radikalste Lösung aber wurde interessanterweise nicht innerhalb der Musik formuliert, sondern innerhalb der ersten provokativ-performativen Avantgardegruppe der Moderne: der Futuristen. Luigi Russolo forderte 1913 in seinem Essay „Die Geräuschkunst“ das Aufsprengen aller musikalischen Systeme durch das Hineinnehmen von Geräuschen in die Musik. Die Vorstellung, der Bereich der Musik ließe sich immer weiter ausdehnen, leitete eine Reihe von Musikern, bis hin…

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