Gespräche mit Kunstvermittlern · von Marius Babias · S. 451
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1999

Kurator mit Passat Diesel

MARIUS BABIAS IM GESPRÄCH MIT RÜDIGER LANGE

Die Karriere von Rüdiger Lange (37) begann zwar nach dem Mauerfall, ist aber dennoch nicht typisch für die Berliner Situation. Anders als die mit Goldgräberfieber nach Berlin eilenden Junggaleristen und Jungkuratoren siedelte er mit Verzögerung nach Mitte um. Und anders als sie verfolgte er ein Konzept außerhalb der Hypes und der obligatorischen Club-Kultur. Sowohl der Pavillon der Volksbühne, den er jetzt aufgeben muß, als auch sein „loop-raum für aktuelle kunst“ stellten junge Positionen im Spannungsfeld zwischen Kunst, Alltagsleben und sozialem Diskurs vor. Seit sich aber die Zeit des Experimentierens dem Ende entgegenneigt, weil die Investoren die durch Kunst aufgewerteten Immobilien allmählich vermieten, orientiert sich Lange verstärkt an einem Mischmodell zwischen Selbstorganisiertheit und Kommerzialisierung.

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Marius Babias: Seit zwei Jahren hast du im Pavillon der Volksbühne regelmäßig Ausstellungen, Konzerte und Partys veranstaltet. Dafür gab es kaum einen Etat und keinen Pfennig Honorar. Seit Frühjahr 1999 hat dir die Volksbühne den Ort weggenommen. Klagst du Frank Castorf an, den Intendanten der Volksbühne?

Rüdiger Lange: Ja. Die Art und Weise, wie die Volksbühne in dieser Sache gehandelt hat, war unfair und kurzsichtig. Die Verhandlungen darüber, ob ich den Pavillon weiterbespielen kann und zu welchen Bedingungen, zogen sich über Monate hin. Während dieser Zeit konnte der Pavillon nicht genutzt werden. Mein Ziel war, das ohnehin geringe Budget weiterhin zu erhalten. Daraufhin entzog mir die Volksbühne den Pavillon mit der Begründung, daß ein anderes „Projekt“ die Bespielung „umsonst“ mache. Das Theater hatte eher ein geringes Interesse an dem relativ…

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