Ausstellungen: Karlsruhe , 1994

Sigrid Feeser

Milan Kunc

»Werke 1974 – 1993«

Badischer Kunstverein, Karlsruhe, 17.3. – 1.5.1994

Ein Gartenzwerg, überlebensgroß. Vorsorglich hat er auf einem Fernseher Stand bezogen. Die rechte Hand steckt lässig in der Hosentasche, die linke hält die Videokamera. Ein eisgrauer Bart umgibt das ältliche Gesicht unter der roten Zipfelmütze. Und mitten drin steckt ein himmelblauer Schnuller. 1992 malte Milan Kunc das „Zeitgenössische Monument“, dessen dreidimensionale Ausführung jetzt die Retrospektive im Badischen Kunstverein Karlsruhe bewachte. Zwergendenkmal und dicht an dicht gehängte Bilderschau zeigen den inzwischen auch schon fünfzigjährigen Wahlkölner auf der Höhe seiner selbst.

Milan Kunc ist der Hansdampf der Kitschszene. Verglichen mit ihm ist Jeff Koons kein Filou, sondern ein ausgebuffter Intellektueller. Gnadenlos beutet er aus, was die Zufälle der Biographie ihm als Material in die Hände spielen: Die Emigration von Prag in den Westen, seine vermutlich recht kuriose Studienzeit bei Beuys und Richter in Düsseldorf, die „kreative Opposition“ zu beiden („Solche Bilder sollte man verbieten“ – Beuys angeblich angesichts von Krokodilen bei Sonnenuntergang; von Richter die Empfehlung „in die Werbung zu gehen“).

Kunc bleibt bei der Kunst und entwickelt den „Peinlichen Realismus“ und den „Ost Pop“. Aus Jahrmarktskitsch, Bilderwelt des Sozialistischen Realismus und viel saurem Pathos mixt er großformatige Militärbilder, auf denen tapfere Rotarmisten durch die Mauer brechen und der Nagelschuh des Landsers über Tulpenbeete vorwärtsstürmt. Der Held liegt nah bei der Heldin, der Hamburger von McDonalds bei Väterchen Stalin und die Faust schwer auf dem Auge. Kunc kann so naiv malen wie ein Sonntagsmaler und so windig sein wie ein PR-Stratege. Seine Fotos, sorgfältig…

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von Sigrid Feeser

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