Gespräche mit Künstlern · von Jens Rönnau · S. 224
Gespräche mit Künstlern , 2017

Miriam Cahn

Das Körperliche, der Körper!

Ein Gespräch von Jens Rönnau

In den 1970er Jahren tauchte die gelernte Grafikerin Miriam Cahn in der Schweizer Kunstszene auf und machte sich zunächst vor allem mit verbotenen Arbeiten in Gebäuden und an Autobahnbrücken einen Namen. Ihre nächtliche Zeichenaktion mit Kreidestift an der umstrittenen Baseler Nordtangente im Dezember 1979 brachte ihr eine Verhaftung nebst Anklage und Bußgeld ein. Spätere Einladungen zu Projekten mit Kunst an Autobahnen wies sie brüsk zurück, weil ihre künstlerische Intention offenbar selbst von Kunstexperten nicht begriffen worden war. In ihren Werken geht sie stark von ihrer eigenen Person als Frau aus, arbeitet körperlichperformativ, auch beim Malen von Bildern, wobei erotische Befindlichkeiten oft eine tragende Rolle spielen. Kriege, Flucht und das Schicksal von Menschen und anderen Lebewesen bilden bewegende Grundlagen für ihr emphatischkünstlerisches Handeln. Geradlinig zog sie 1982 auf der documenta nach Eingriffen durch Kuratoren ihre Bilder zurück und machte damit auch auf die Rolle des Künstlers als Ausstellungsgestalter aufmerksam. Das Interview erfolgte per Mailaustausch nach Miriam Cahns Ausstellung Auf Augenhöhe in der Kunsthalle zu Kiel im Sommer 2016

Jens Rönnau: 1982 sammelten Sie Ihre Rauminstallation auf Papier „WACH RAUM“ auf der documenta noch vor der Eröffnung wieder ein, weil sie nicht so gehängt waren, wie verabredet. Warum hatte Sie das so erbost?

Miriam Cahn: ich hatte ‚WACH RAUM‘, eine raumarbeit mit weiblichen und männlichen zeichen, in der documenta selbst eingerichtet und sie wurde von der leitung akzeptiert, also bin ich nach hause. ein paar tage vor der eröffnung…

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