Gespräche mit Künstlern , 2017

Stephan Huber

Die traditionelle Form mit neuem Inhalt füllen

Ein Gespräch von Jolanda Drexler

Stephan Huber, der seit 2004 eine Professur für Bildhauerei an der Münchner Kunstakademie innehat, kann als Teilnehmer der Documenta und Biennale Venedig auf zahlreiche bedeutende Ausstellungen zurückblicken. Außerdem hat er eine Reihe von Projekten im öffentlichen Raum durchgeführt wie z. B. am Münchner Flughafen, im Messegelände Riem und an der Wiener U-Bahn-Station Aspern. Im Mai dieses Jahres richtete er im Frankfurter Museum für Moderne Kunst einen Raum für die neue Sammlungspräsentation ein – mit seinen charakteristischen weißen Berg-Skulpturen, Landkarten und Marionettentheatern. Und nun präsentiert er mit 64 Jahren erstmals in seinem Heimatort Lindenberg eine konzentrierte Retrospektive – pikanterweise in der „Kulturfabrik“, die aus der großen Hutfabrik seines Vaters hervorging.

Ausgangspunkt für Stephan Hubers vielschichtige, sinnbildhafte und poetische Werke ist stets das subjektive Künstler-Ich, seine eigene Biografie. Seine im Sinne des Surrealismus bildhaft-narrativen, psychoanalytisch konnotierten Installationen zeugen von seiner Lust an Pathos und Theatralik, welche freilich durch Ironie und verschmitzte Überraschung gebrochen werden. Ein reicher intellektueller Nährboden von geradezu enzyklopädischer Tragweite ist die Voraussetzung für ein Oeuvre, das sich heute zunehmend in Richtung Privatwissenschaft (Landkarten) und Naturbeschäftigung (Berge) entwickelt.

Jolanda Drexler: Was hat Sie zu dieser in biografischer Hinsicht ganz speziellen Ausstellung in Lindenberg motiviert?

Stephan Huber: Ich habe die Einladung der hiesigen Kulturbeauftragten Kathrin Felle angenommen, in der ehemaligen Hutfabrik auszustellen, deren Geschäftsführer und Mitbesitzer mein Vater war. Inzwischen ist der Ausstellungsort ein wunderbar ästhetischer Fabrikraum aus den zwanziger Jahren von fast urbaner Qualität, der in…

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von Jolanda Drexler

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