Ausstellungen: Potsdam · von Matthias Reichelt · S. 293
Ausstellungen: Potsdam , 2008

Matthias Reichelt

Neue Kunst in den Neuen Kammern

Bildstörung in preußischem Ambiente

Eine Ausstellung von Flora 16/Büro für Kunst und Kommunikation in Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, 19.07.–28.09.2008

Der Eingriff in einen Kontext, sei es im öffentlichen Raum, im Museum oder in anderweitig geprägte Räume, hat Künstler immer wieder gereizt. Die Herstellung eines Spannungsverhältnisses durch das Aufeinandertreffen verschiedener Epochen und/oder ortsfremder Elemente und Bedeutungen gilt dabei als Herausforderung und bietet eine Chance für einen intellektuellen Mehrwert. Vor allem Daniel Buren untersuchte die Grenze zwischen Kunstwerk, musealer Präsentation, Funktion und Dekor im Museum, während die Situationisten in den sozialen Raum der Stadt eingriffen und die Land Art das Verhältnis von Naturwuchs und bewusster ästhetischer Gestaltung ausloteten. Das Publikum mit Gegenwartskunst an illustren, imposanten und kunstfremden Orten zu überraschen, ist eine reizvolle Aufgabe, um Sehgewohnheiten auf die Probe zu stellen und aufzubrechen. 1747 wurden die Neuen Kammern am Schloss Sanssouci als Orangerie erbaut und später als Gästehaus von Friedrich dem Großen umgebaut. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat – eine Premiere – die Tore dieses Gebäudes für die zeitgenössische Kunst geöffnet. Bislang hatten konservatorische Bedenken einerseits und der Drang zur vermeintlich authentischen Auratik in den Gebäuden eine Aneignung durch die zeitgenössische Kunst verhindert. Diese Auffassung ist einem offeneren Umgang gewichen. Dabei hat sicherlich die Erkenntnis, dass die Konfrontation des alten Ambientes mit zeitgenössischen Werken von Künstlern einer völlig anderen Kunstauffassung als zu Zeiten Friedrich des Großen üblich, zu einem reizvollen Tête-à-Tête führen kann, eine entscheidende Rolle gespielt. Mehr als 20…

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