Fotografie , 2015

Paris Photo 2014

Grand Palais, Paris

von Klaus Honnef

Hätte sich nur jeder Hundertste der geduldig Wartenden vor dem Grand Palais als Sammler, wenigstens als Käufer entpuppt – „Paris Photo 2014“ wäre eine Bonanza gewesen. Weil dem nicht so war, fielen die Geschäfte, die auf der Weltmesse der fotografischen Bilder Mitte November letzten Jahres getätigt wurden, eher mäßig aus. Die Gewinner waren am Ende die Veranstalter. Mitunter stellte sich der Eindruck ein, dass mehr Fotografen als potenzielle Käufer eine Stunde Wartezeit in Kauf nahmen, um sich für satte 36,– Euro ins Gedränge unter der gewaltigen Glaskuppel des Ausstellungspalastes an der Avenue Winston Churchill zu mischen.

So überwog das Interesse, zu sehen und gesehen zu werden, bei weitem das Verlangen, fotografische Bilder zu erwerben. Das grundsätzliche Dilemma des Handels mit fotografischen Bildern besteht darin, dass die Technik, der sie sich verdanken, das Privileg der Künstler (im weitesten Sinne), Bilder zu verfertigen, gebrochen hat. Weshalb viele nicht einzusehen vermögen, dass sie für etwas Geld ausgeben sollen, das sie problemlos selber herstellen können. Joseph Beuys‘ gewöhnlich missverstandener Satz, jeder Mensch sei ein Künstler, scheint in der abgeschwächten Form, der zufolge jeder Mensch zumindest ein Bilderproduzent ist, Realität geworden zu sein. Gleichsam die Kehrseite der künstlerischen Legitimation fotografischer Bilder.

Andererseits ist „Paris Photo“ eine Börse, auf der nicht nur angeboten wird, was sich zuletzt gut verkaufte und gängig ist, sondern auch Bilder, von denen der Handel hofft, sie demnächst gut zu verkaufen. Wie jede Messe der Kunst erlaubt sie daher einen Blick in die Glaskugel künftiger Optionen im extrem…

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