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Titel: Künstlerpaare II · S. 212 - 215
Titel: Künstlerpaare II , 1990

Patricia & Marie-France Martin

Freud stellt in seinem Aufsatz „Das Unheimliche“ fest, daß mit der „Doppelgängergestalt“ in allen ihren Spezifikationen „ein außerordentlich hoher Grad von Unheimlichkeit“ verbunden ist, ganz gleich, ob es sich um die Gegenüberstellung zweier Wesen handelt, deren gleiches Aussehen sie nicht unterscheidbar macht, oder um die Verdoppelung in der Spiegelsituation, im Schatten oder in der „beständigen Wiederkehr des Gleichen“.

Er schreibt den „Charakter des Unheimlichen“ dem „Rückgreifen“ – hervorgerufen durch die Existenz des Doppelgängers, der eine Bedrohung der Einzigartigkeit bedeutet – „auf einzelne Phasen“ – die heute überwunden sind – „in der Entwicklungsgeschichte des Ich-Gefühls“ zu, der „Regression in Zeiten, in der das Ich sich noch nicht scharf von der Außenwelt und von Anderen abgegrenzt hatte“.1 Eine Rückkehr gibt es nur in dem Maß, in dem die Nicht-Auflösung von Überzeugungen, die mit diesen Ursprüngen verbunden sind, die subjektive Bestätigung dieser Überzeugungen zuläßt und folglich, im Gegensatz dazu, die Aufhebung unseres Realitätsglaubens.

Im Prinzip ist es das Entstehen einer Empfindung des „Unheimlichen“, wozu uns die eineiigen Zwillingsschwestern Patricia und Marie-France Martin (geb. 1956 in Sierre/Schweiz) mit ihren „Autoportrait(s)“ auffordern. Wir finden jedoch dort, wo wir es erwarten, die eigene Entscheidungsunfähigkeit bestätigt, uns mit dem doppelten Abbild einer Einheit konfrontiert zu sehen, das Abbild dessen, was jede von ihnen als Person innerhalb des Zwillingspaares ausmacht, wenn es stimmt, daß „die wesentliche Aufgabe des Paares die Organisation der Rollen der Partner sei und demnach ihre Unterscheidung.“2

Es wäre falsch, anzunehmen, daß jeder Zwilling vor der Unfähigkeit bewahrt bliebe, sich selbst von seinem Doppel zu…

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