Titel: Afrika - Iwalewa , 1993

Ausstellungen afrikanischer Kunst

Primitivismus – Exotismus -Afrikanismus

Über die europäische Entdeckung der Kunst der Primitiven zu Beginn dieses Jahrhunderts ist viel geschrieben worden. Das Signal zur Aufwertung der sogenannten Stammeskunst zur Weltkunst gab 1984 das New Yorker Museum of Modern Art, dessen Kurator William Rubin den „Primitivismus“ als ein Schlüsselthema der Kunst des 20. Jahrhunderts zelebrierte.1

Die in New York überwiegend objektbezogene Kunstbetrachtung und formale Konzeption hatten einen wenig beachteten deutschen Vorgänger: „Weltkulturen und moderne Kunst“ im Rahmen der Olympischen Spiele in München 1972, mit grundsätzlichen Katalogbeiträgen von Werner Schmalenbach und Manfred Schneckenburger für die Abteilung „Afrika, Ozeanien und Indo-Amerika“.2

Nicht zuletzt durch diese Ausstellungen wurde der Ausdruck „primitive Kunst“ zu einer festen Kategorie, zur Klammer für die grosse Vielfalt ästhetischen Schaffens nichtindustrieller Gesellschaften. Mit der Anerkennung der „primitiven Kunst“ durch die Kunstkritik wurden Afrikana und Ethnographika zum lukrativen Geschäft. „William Rubin genoss den Lohn seiner ‚Primitivismus‘-Promotion in barer Münze“, berichtete das „Zeit-Magazin“ gut informiert: „Eine Senufo-Figur aus seiner eigenen Sammlung, im Ausstellungskatalog abgebildet, brachte ihm 1991 bei Sotheby’s in New York 925 000 Dollar; Käufer war der französische Künstler Arman.“3

Der Untersuchung des Primitivismus folgte diejenige des Exotismus: „Exotische Welten und Europäische Phantasien“ (Stuttgart 1987). Dieses Thema wurde in seinen reichen Pfründen ausgeschöpft und gewissermassen in enzyklopädischer Art in kiloschweren Katalogen niedergeschrieben.4

Im Sinne einer „Generalaufarbeitung des Kolonialismus“ (Isolde Schaad) befasste sich das Projekt „ausschliesslich mit der eurozentrischen Vision des Exotischen“. Diesen Wunsch nach Selbstreflexion erklärte dessen Initiator Hermann Pollig wie folgt: „Der säkulisierte Europäer, seit längerem Objekt eigener, vor allem psychologischer Untersuchungen, kann ohne…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang


von Paolo Bianchi

Weitere Artikel dieses Autors