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Ausstellungen: St. Gallen · S. 348 - 348
Ausstellungen: St. Gallen , 1989

Christoph Doswald
Richard Long

Kunstmuseum 15.1.-26. 2.1989

Einmal mehr bestückt der 1945 in Bristol geborene Richard Long ein Museum mit seinen Arbeiten. Die Ausstellungsliste ist lang, und wenn man die Präsentation in St. Gallen gesehen hat, muss man sich fragen, ob Long hier nicht einen Anlass zuviel durchgeführt hat. Selten habe ich einen Künstler gesehen, der sich so wenig auf die Räume eingelassen hat. Zwar ist es um die Ausstellungsarchitektur des St. Gallener Kunstmuseums bekanntermaßen schlecht bestellt, für die Arbeiten von Richard Long jedoch wirken sie wie ein Gefängnis und umgekehrt präsentieren sich die speziell für diese Ausstellung geschaffenen Arbeiten als Fremdkörper inmitten der von modernem Design durchsetzten, neo-klassizistischen Architektur. Im zweiten der vier Räume zerstören die zwischen den Arbeiten aufragenden, gusseisernen Säulen den Durchblick, die ganzheitliche Erfahrung der Bodenskulpturen („BLACK LINE“ und „WHITE LINE“), die für das Werk von Long von eminenter Bedeutung ist. Im dritten Raum werden zwar die genannten Säulen sensibel ins Werk integriert, doch nähert sich das am Boden angelegte, kreisrunde Steinfeld („ST.GALLEN CIRCLE“) bis auf wenige Zentimeter der Fensterfront, so daß die Skulptur nicht vollständig erwandert werden kann, sich quasi der vollständigen Erfahrung durch den Betrachter verschließt. Diese Art der beinahe hilflos anmutenden Präsentation ist umso unverständlicher, wenn man weiß, welche Bedeutung das Wandern für das Werk von Long besitzt: „… to understand the rhytms of life and nature through walking“.-Jedenfalls wurde in der St. Gallener Ausstellung die im Pressetext angekündigte „subtile Balance zwischen Idee und Form ihrer Präsentation“ bei weitem nicht erreicht.

Dennoch lassen vor allem die…


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