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Ausstellungen: Ahlen · von Jörg Restorff · S. 343 - 344
Ausstellungen: Ahlen , 1993

Jörg Restorff
Silke Rehberg

»Arrangements«
Galerie Weber/Galerie Hinterhaus, Münster, 2.4. – 2.5.1993

Kulturgesellschaft, Ahlen/Westf., 9.5. – 12.6.1993

Die Architekturtheorie des Klassizismus kennt den Begriff der architecture parlante. Was mit dieser Formel gemeint ist, verrät ein Paradebau “sprechender” Architektur, das Frauenzuchthaus in Würzburg, das der Architekt Peter Speeth im Gefolge der französischen Revolutionsarchitektur 1811-14 errichtet hat. Zwar bewahrt Speeth die Elemente der aus Renaissance und Barock überkommenen Fassadengliederung, suspendiert wird jedoch deren in erster Linie an formalen Gesichtspunkten ausgerichtete Gestaltung, das tektonische Gerüst aus Säulen und Simsen, das nackte konstruktivistische Kräftespiel zwischen Vertikale und Horizontale, zwischen Stütze und Last. Statt dessen errichtet der Baumeister eine symbolträchtige, soziologisch kodierte Schauwand, die ihre Bestimmung, ein Gefängnis zu ummanteln, durch wuchtig-einschüchternde Proportionen, einen festungsähnlichen Sockel, eine säulenvergitterte Galerie und kleine Fenster ausspricht.

Dem zwiespältigen Verhältnis zwischen selbstreferentieller klassischer Säulenordnung und architecture parlante gleicht die Art, wie die münstersche Künstlerin Silke Rehberg in ihren aus Gebrauchsgegenständen komponierten “Arrangements” auf den abstrakten Umbruch der Moderne reagiert. Aus der Einsicht, daß hinter die formalen Leistungen abstrakter Kunst nicht mehr zurückgegangen werden kann, folgt für das Schaffen Rehbergs die Bejahung einer eigengesetzlichen Zusammenstellung von Körpern, Flächen, Farben und Linien. Aus der Einsicht, daß das autonome, selbstgenügsam nur den Regeln eines formalistischen Glasperlenspiels verpflichtete Werk stumm bleibt, folgt die Bejahung von Kommunikation in der Kunst, folgt die Ausbildung einer appellativen, nichtillusionistischen, gleichwohl wirklichkeitshaltigen art parlant.

Die Realität hält über den Umweg der Collage Einzug in die Kunst der 1963 geborenen Meisterschülerin von Timm Ulrichs, die bei Jörg Heydemann zusätzlich ein Studium der Bildhauerei absolvierte….



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