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Ausstellungen: Bremen · von Silke Müller · S. 334 - 335
Ausstellungen: Bremen , 1994

Silke Müller
Sol LeWitt

»Structures 1962-1993«
Neues Museum Weserburg Bremen, 13.3. – 29.5.1994

Wer die Arbeiten Malewitschs durch Reproduktionen kennengelernt hat und das erste Mal vor Originalen seiner suprematistischen Arbeiten steht, versteht, wie weit in der Vergangenheit die Produktion des „Schwarzen Quadrats“ liegt und wie weit in die Zukunft reichend es angelegt war: Um dem Gegenstand im Bild eine Absage zu erteilen, bedurfte es vor rund 80 Jahren keiner formalen Perfektion, sondern inhaltlicher; die Schärfe des Gedankens und die Entscheidung zur Realisierung der Idee veränderten die Kunst.

Zu Beginn der 60er Jahre, als die Gesten längst wieder die Leinwand zurückerobert hatten, näherte sich, von einem anderen Ort aus und auf anderen Wegen, Sol LeWitt (*1928) erneut jenem minimalistischen Viereck, und – wie die Retrospektive der Skulpturen im Neuen Museum Weserburg Bremen zeigt, die etliche der ganz frühen und nur selten in Europa zugänglichen „wall structures“ vorstellte – begnügte sich ebenfalls mit einer unvollkommenen Ausführung der Idee. Auch hier klafft eine große Lücke zwischen den sich perfektionistisch gebenden Reproduktionen der Arbeiten, die zum Teil wie am Computer generierte Modelle im virtuellen Raum zu schweben scheinen, und den Originalen, die den Künstler fern von formalistischer Pingelei zeigen und ein erstaunliches Maß an Improvisation, Modellhaftigkeit und Primitivität aufweisen. (Selbstverständlich nur bei den ersten Arbeiten; in der weiteren Entwicklung spiegelte sich der serielle Charakter auch in einer anonym-perfektionistischen Oberfläche).

Diesen Eindruck zu ermöglichen, ist ein ebenso entscheidender Verdienst der vom Museum of Modern Art, Oxford, organisierten Ausstellung, wie die erneute Focussierung auf einen Vordenker der conceptual art, die…



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