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Magazin: Galerien & Auktionshäuser · S. 323 - 323
Magazin: Galerien & Auktionshäuser , 1989

Karlheinz Schmid
Streit um die Internationalisierung

Bundesverband reagiert mit Ausschluß der Berliner Händler

Es gab keinen Zweifel; jeder wußte, was passieren würde: Im Mai 1988 hatte der Bundesverband des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels gedroht, den Berliner Landesverband aus der Dachorganisation auszuschließen, wenn dieser seine Messe „Orangerie“ für Händler aus aller Welt öffne. Vier Monate später, im September 1988, freute sich Eberhard Diepgen, Regierender Bürgermeister von Berlin, über die internationale Öffnung im Schloß Charlottenburg. Erstmals beteiligten sich 48 ausländische Händler an der museal orientierten Kunstmesse. Erstmals gelang es, nach Jahren der Flaute wieder knapp 15.000 Besucher zu zählen: „35 Prozent mehr als im Vorjahr“, strahlte Bernd Schultz, der Vorsitzende der Berliner Landesgruppe. Außerdem konnte ein Viertel der ausgestellten Werke verkauft werden.

Der offensichtliche Erfolg der „Orangerie ’88“ hinderte Günther Abels, Präsident des Bundesverbandes, freilich nicht, „einen groben Verstoß gegen die Pflichten als Mitglied“ festzustellen. Prompt verkündete der Bundesverband den Ausschluß der Berliner aus dem gemeinsamen Kreis. Schultz („Kunsthandel kennt keine Grenzen“) registrierte, daß diese Entscheidung just in dem Jahr erfolgt, in dem Berlin als Kulturstadt Europas weltweit Furore machen will: „Man könnte glauben, diese Geschichte stammt aus dem Jahr 1958.“

Bernd Schultz war schon Ende Oktober sicher, daß der Berliner Landesverband die letzte Frist für den vom Bundesverband erhofften Treueschwur verstreichen lassen wird. Bis zum 10. Dezember sollte per Mehrheitsbeschluß der Mitglieder in Berlin eine Kurskorrektur programmiert werden, also die Zurücknahme der Internationalisierung eingeleitet werden. Schultz, Motor der Berliner Messe, erklärte klipp und klar: „Mit mir wird es keine nationale ‚Orangerie‘ geben.“

So war die Relegation…


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