Ausstellungen: Salzburg · von Justin Hoffmann · S. 315
Ausstellungen: Salzburg , 1994

Justin Hoffmann

Suture – Phantasmen der Vollkommenheit

Salzburger Kunstverein, 20.4. – 29.5.1994

Wer nicht zufällig Lacanianer ist, dem dürfte der Ausstellungstitel einige Rätsel aufgeben, deswegen vorweg eine kurze Begriffserläuterung. „Suture“ aus dem Französischen übersetzt bedeutet Naht und Nahtstelle. Dieses Wort spielt in den Schriften des Lacan-Schülers Jacques-Alain Miller eine zentrale Rolle, der ihn zur Erklärung benutzt, auf welche Weise sich das Subjekt Zugang zur symbolischen Ordnung verschafft und dabei seinen eigenen Bedürfnissen entfremdet. Heute wird dieser Begriff jedoch vor allem in filmtheoretischen Texten verwendet, dann, wenn es um die Entwicklung einer der literarischen Sprache vergleichbaren filmischen Syntax geht. Mit „Suture“ wird ein System beschrieben, in dem sich der Zuschauer als Subjekt der filmischen Apparatur unterwirft und dabei eine Beziehung zu einem symbolischen Anderen definiert, ein Vorgang, der jener frühkindlichen Erfahrung des Subjekts im Spiegel ähnelt. Bei feministischen Filmtheoretikern erhält „Suture“ in der Rezeptionsanalyse in den letzten Jahren eine sexuelle Komponente. Für Jacqueline Rose steckt im System der „Suture“, insbesonders in der „Nahtstelle“ Einstellung/Gegeneinstellung, das Potential für einen imaginären Überschuß, der die symbolische Ordnung destabilisieren und zur Rückkehr einer unterdrückten „Weiblichkeit“ führen kann. Die Kuratorin der Ausstellung Silvia Eiblmayr setzt das „Suture“-Theoriegeflecht zusätzlich mit der Diskussion um die Grenzen des Menschen bzw. des Menschlichen in Beziehung. Die Entwicklungen in der Wissenschaft (Gentechnologie, Virtual Reality, Biochemie, der Maschinenpark der Fitnesskultur etc.) haben es möglich gemacht, daß der Mensch seine Träume von einem perfekten Körper nahezu uneingeschränkt verwirklichen kann. Michael Jackson avanciert dabei zum Vorreiter einer humanoiden Synthese, in der alle Differenzen in Alter, Ethnie, Klasse…

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