Ausstellungen: Kassel · von Dirk Schwarze · S. 336
Ausstellungen: Kassel , 1991

Dirk Schwarze

Symbolismus in den Niederlanden und »gedachten gangen«

»Zu den verborgenen Wurzeln«

Museum Fridericianum, Kassel, 7.7 – 29.9.1991

Anlässe schaffen Einsichten. Auf den ersten Blick wirkte das Projekt gezwungen und wenig überzeugend: Das Museum Fridericianum in Kassel, dem Kunsthallenchef Veit Loers zu einem klaren Profil verholfen hat, sollte begleitend zu zwei anderen Veranstaltungsreihen in Kassel eine Ausstellung anbieten. Da war auf der einen Seite das alle zwei Jahre stattfindende Gustav-Mahler-Fest und auf der anderen Seite das städtische Kulturprogramm, das in diesem Jahr unter dem Motto „Die Niederlande in Kassel“ steht. Verlockend und attraktiv wurde das Ansinnen durch die Aussicht, daß das weit unterfinanzierte Fridericianum sich auf diese Weise auch Zuschüsse erschließen könnte.

Die Ausstellung „Symbolismus in den Niederlanden“, die Loers auf Grund dieser Konstellation ins Fridericianum holte, wirkt aber nur vom Titel her wie eine gewaltsam herbeigeholte Klammer. Denn sehr schnell merkt man, daß das Stichwort hier bei weitem nicht ein der Moderne gegenläufiges Stilprinzip meint, sondern eine geistige Grundhaltung, die für die Moderne ebenso offen war wie für alle anderen Ausdrucksweisen der Kunst.

Der Besucher dringt in dieser Schau auf überraschende Weise zu den verborgenen Wurzeln der Moderne vor. Dabei sind Piet Mondrian und Theo van Doesburg lediglich die bekanntesten Leitfiguren. Die Ausstellung leistet insofern Wesentliches, als sie unser auf Brüche und scharfe Trennungen ausgerichtetes Denken erschüttert. Denn nur selten ist die enge Verknüpfung von heldisch-mystischer Formensprache und rational-kühler Abstraktion und Konstruktion so plastisch und zwingend dokumentiert worden. Auch Mondrian selbst, der der Theosophischen Gesellschaft angehörte, ist diesen Weg gegangen, einen Weg, der keineswegs…

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