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Ausstellungen: München · S. 401 - 402
Ausstellungen: München , 1991

Justin Hoffmann
Szenarien der Wirklichkeit

Galerie der Künstler, 11.1.-7.2.1991

Es ist kaum zu übersehen: die Neo-Concept-art hat sich zu einer Breitenbewegung entwickelt. Sicheres Anzeichen dafür ist, daß sich ein Großteil der ernstzunehmenden Abgänger von Kunstakademien als Künstler mit konzeptuellem Ansatz verstehen. Selbst München bleibt von diesem Prozeß nicht ausgenommen. Die Ausstellung „Szenarien der Wirklichkeit“ trägt diesem Phänomen Rechnung. Sie besteht aus acht Räumen, geschaffen von Münchner Künstlern der vorwiegend jüngeren Generation, die sowohl in einer gewissen Kontinuität als auch in Distanz zu den Arbeiten der „Münchner Schule“ der 80er Jahre (Merz, Förg, Huber etc.) stehen.

„MICHAEL HAUFFEN RUHE RAUM“ kann der Besucher zweifach an den Wänden des ersten Ausstellungsraums lesen. Der Name des Künstlers und die Funktionalität des von Hauffen bearbeiteten Ortes sind hier die Gestaltungsmittel. Kunst wird provokativ auf wenige Angaben reduziert, die martialisch in den Raumzusammenhang eingeordnet sind. Lediglich eine Linie, die die Wörter unterstreicht, und zwei Schilder über den bogenförmigen Ausgängen mit der Inschrift „Exit“ bilden die weiteren Zutaten dieses minimalistischen Arrangements.

„Ideal Angst“ nennt Jürgen Walter Müller eine Arbeit, die aus fünf an die Wand angebrachten Holzkisten besteht. Jeweils in der Mitte der schwarzen Kisten ist eine journalistische Aufnahme der Selbstverbrennung eines buddhistischen Mönchs aus dem Jahr 1963 zu sehen. Müller enzieht dieser Fotografie den konkreten politischen Inhalt, den Zusammenhang mit dem Vietnam-Krieg, und integriert sie in eine pittoreske Anordnung, die zur Reflexion über Medien, den Reiz von Katastrophen und über die Möglichkeit des Opfertods anregen soll.

Die nahe Wirklichkeit des Künstlers und seiner Kunst ist der Raum, in dem er…


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