Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1993

Sigrid Feeser

Szenenwechsel IV

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, ab 4.6.1993

Jean-Christophe Ammann ist kein Mensch der Verbote. Nur eines hat er seinen Mitarbeitern streng untersagt: Von „Frankfurter Künstlern“ darf in seinem Haus nicht mehr geredet werden. Es könnte nämlich auffallen, wie viele in Holleins „Tortenstück“ schon heimisch geworden sind. Bleibt die bange Frage, warum nicht sein darf, was doch schon lange ist. Indessen steht auch Ammann der Wind ins Gesicht. Ein städtisch verordnetes Minus von demnächst 682 000 Mark in der Kasse (Ammann: „40 Prozent unserer Manövriermasse, Sammlungsetat inbegriffen“) machen selbst den engagiertesten Museumsmann grämlich und zu Drohgebärden geneigt: „Damit wird unausgesprochen den Künstlern nahegelegt, Frankfurt zu verlassen.“

Sei’s drum, noch sind wir nicht soweit. Der vierte Szenenwechsel im Museum bringt die gewohnte Mischung aus Unterhaltsamem und Seriösem, Versponnenem und Populistischem, Regionalem und Internationalem. Die Porträtfotos von Thomas Ruff, ergänzt durch Architekturaufnahmen, sind in den Dreiecksraum, eine Treppe hoch, umgezogen und werden dort mit Arbeiten von Bernd und Hilla Becher konfrontiert. In der Eingangshalle haben Graubners Farbkissen zehn Farbkörpern von Herbert Hamak (Jahrgang 1952) Platz gemacht. Man kann ruhig seinen Wohnort Frankfurt nennen, der Mann ist gut genug für den exponierten Ort. Hamak experimentiert mit Pigmenten, die er in einem selbst entwickelten Verfahren zu mehr oder weniger transparenten monochromen Farbtafeln und Objekten gießt. Reflexion auf farbtheoretische Konzepte und subtil inszenierte Farbempfindungen gehen in seiner Arbeit Hand in Hand. Es entstehen Räume der Imagination und Meditation, deren ästhetisch wohlbegründetes, über die bloße Materialität hinausweisendes Dasein Qualitäten schafft, in denen, so scheint es, sinnliche Vielfalt…

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von Sigrid Feeser

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