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Titel: Afrika - Iwalewa · von Janheinz Jahn · S. 98 - 102
Titel: Afrika - Iwalewa , 1993

Unterschiede zwischen europäischer und afrikanischer Kultur

Auf eine Formel gebracht, liegt der Unterschied zwischen der europäischen und der afrikanischen Kultur in der verschiedenartigen Bewertung des Objekts.

In der modernen europäischen Kultur hat das Objekt einen Wert an sich: Eigenschaften, Verhaltensweisen werden „objektiviert“, werden zu Objekten gemacht und so einander vergleichbar. Lebendiges wird verdinglicht und dadurch zählbar, summierbar bis in die Un-Wirklichkeit der Statistik. Verhaltensweisen werden vom Handelnden abgelöst, ihrer Sinnbezüge beraubt und können so den Normen kodifizierten Rechts unterworfen werden. „Ohne Ansehen der Person“ und ohne Ansehen von Sinn und Absicht urteilt die Justiz stolz und buchstabengetreu den Tatbestand ab; und da das Lebendige, wie jeder weiss, sich nicht in die Objektivität der Satzungen fügt, wird das Urteil durch „mildernde“ Umstände modifiziert. Dass Recht und Gerechtigkeit zweierlei sind, weiss der Richter so gut wie der Delinquent: der Unstimmigkeit seiner Normen ist der Europäer sich durchaus bewusst, doch weiss er andererseits, was er seinen Objekten an Errungenschaften verdankt.

In der afrikanischen Kultur hat das Wie, die Art und Weise, den Vorrang vor dem Was, dem Ding. Das Ding ist nur wichtig als Ur-Sache, Träger oder Ausdruck eines Wie, als das, woran sich Modalkraft, Verwandlungskraft manifestiert. Nicht als Objekt wird das Tun eines Menschen gewertet, sondern als Ausdruck, als Kraft zu verwandeln, aus einem Was ein anderes Was zu machen. Dies Tun, dies Zaubern durch Worte, durch Bilder, durch Klänge, ist der Imperativ, der Zügel, durch den der Mensch seine Wirklichkeit schafft und verändert, durch den er sein Da-Sein gewahrt, lenkt und Leben erspürt. Nichts…

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