Monografie · von Stephan von Wiese · S. 108
Monografie , 1983

Verstörende Idyllen

Mutationen und Konstanten im Werk von Milan Kunc

von Stephan von Wiese

Bereits 1973 dachte Milan Kunc über die Malerei der Zukunft nach, nämlich in seinem so betitelten Temperabild. Diese Malerei stieß allerdings, wie das Bild zeigte, auf manche Widerstände: Der Pinsel war zugleich zart und beschwert, die Hand des Malers zugleich frisch und im Grunde doch schon skelettiert, die frische Palette zwar farbig, die Farbkleckse darauf aber eher bescheiden. Der „Hunger“ nach Spaghetti, Hähnchen und Erbsen nahm auf dieser Palette noch sehr viel mehr Raum und Gewicht ein, als derjenige nach Farbe. Und das Bild im Bild, das herauskam, verfügte zwar über den Goldrahmen von Meisterwerken, war zugleich aber verklammert mit allerhand Schmuckelementen von Oblaten aus dem Poesiealbum, also auch ein Stück bildhafter Trivialpoesie. Dieses „Meisterwerk“, was da entstand, wirkte all dem turbulenten Geschehen an seinem Rand gegenüber fern und entrückt: Als menschenleere Mühlenlandschaft erschien es im Stile der „alten Meister“ und zugleich in der Art der Kaufhaus-Kunst.

Hier ging alles durcheinander. Das Bild war durch und durch surrealistisch, von der Verkettung der Motive bis /ur malerischen Technik, und war doch zugleich Aussage über den Stand der Malerei der Zeit: Malerei war ein „harter Job“ (vgl. das Interview mit Milan Kunc unten). Charakteristisch für die Motivverknüpfung war, daß hier zusammengebracht wurde, was eigentlich gar nicht zusammenpaßte: Hand und Skelett, Farben und Hähnchen, Poesiealbum und Meisterwerk, ein Bild über die Malerei der Zeit und eine altertümliche Mühlenlandschaft. Das Erstaunliche an dieser Kombination aber war, daß sie nicht in ihren Nähten krachte und…

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