Magazin: Museen & Institutionen · von Christian Huther · S. 405 - 405
Magazin: Museen & Institutionen , 1991

Christian Huther

Von der »Kegelbahn« zum Institut

Frankfurter Schirn besteht seit fünf Jahren

Ursprünglich sollte ein „Kommunikationszentrum für aktive Freizeitgestaltung“ mit Werkstätten und 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche entstehen. Geworden ist daraus am Frankfurter Römerberg die Schirn-Kunsthalle mit bis zu 2000 Quadratmetern Nutzfläche. Der Bau aber blieb trotz der Nutzungsänderung weitgehend unverändert. Entsprechend harsch waren die Kommentare zur Eröffnungsschau „Die Maler und das Theater im 20. Jahrhundert“ im Februar 1986. Im Kreuzfeuer der Kritik stand der 140 Meter lange, von einer Rotunde durchbrochene Galerietrakt nicht nur wegen seiner Breite von nur 9,15 Metern (der ihm den Spitznamen „Kegelbahn“ eintrug), sondern auch, weil er den Häusern am Römerberg einerseits und dem Dom am anderen Ende auf den Leib rückte. Von einem „Rammbock“ oder vom „Mord am Dom“ sprach damals die Presse.

Dank des geschickt agierenden Ausstellungsarchitekten Holger Wallat war das Wort von der „Kegelbahn“ bald vergessen. Wallat nämlich gelingt es bis heute, durch Zwischenwände und Lichtdosierung die Enge zu kaschieren. Schirn hießen übrigens auch die Marktstände der Metzger und Bäcker, die sich früher hier breitmachten. Einst war dies auch der Weg, den die römischen Kaiser nach ihrer Krönung gingen. Heute kommen die Besucher in Scharen. Zur ersten sowjetischen Kandinsky-Retrospektive 1989, als einzige europäische Station in Frankfurt zu sehen, kamen in zwei Monaten 189000 Besucher. Solche erfreulichen Zahlen kann man nicht immer vorweisen, zumal das Konzept der Schirn am Anfang ganz anders aussah. Die Schirn, die über keine eigene Sammlung verfügt, soll nämlich nur die Hälfte der Zeit internationalen Wanderausstellungen Raum gewähren, die andere Hälfte war den Frankfurter…

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