Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 352
Ausstellungen: Köln , 1994

Jürgen Raap

»Wall Works«

Edition Schellmann, Köln, 18.9.1993 – 15.3.1994

Richard Artschwager bemalte Folien mit Acryl, zerschnitt diese dann und nutzte die Winkel der Raum-ecken aus, um aus der Kombination einzelner Schnittstücke zu einer Formgebung zu gelangen. 20 verschiedene Variationen dieser „Corner Splats“ hat Jörg Schellmann ebenso zu einer Edition zusammengefaßt wie Ulrich Rückriems an die Wand gestellten Granitblock, der in der Mitte horizontal gespalten und dessen Sichtfläche nur zur Hälfte poliert ist: diese Arbeit wird in einer Zehnerauflage angeboten. Mit der Ausstellung „Wall Works“ eröffnete die früher in München ansässige Edition Schellmann ihre neuen Räume in Köln: Die Halle bietet sich für großzügige Skulptur- und Rauminszenierungen geradezu an (Galerist Max Hetzler hatte sie eine Zeitlang für ähnliche Installationen genutzt).

Bildhauerauflagen hat es in der Kunstgeschichte schon immer gegegeben, doch hier wird ein neuer Typus definiert: Alle „Wall Works“ sind zwar wie Originale angelegt, wie sie „in einem geistig-handwerklichen Individualprozeß entstehen“ (Schellmann), aber es sind keine Unikate, die nur einmal ausgeführt werden, sondern mehrmals hergestellte „Multikate“. Innerhalb dieser terminologischen Differenzierung bezeichnet Schellmann das Multiple als „Volksausgabe“ des Multikats. Multikat, Multiple und Druckgrafik können zu Editionen zusammengefaßt werden, und im Katalog wird berichtet, daß mehrere der teilnehmenden Künstler ausdrücklich darauf bestanden hätten, keine Multiples, sondern eine Edition zu machen.

Beim Doppel-Selbstportrait von Gilbert und George („The Singing Sculpture“, 1969 – 91) wäre eine identische Reproduktion der auf 220 x 270 Zentimeter dimensionierten Offsetplakatwand denkbar, doch die meisten anderen Beiträge lassen eine Variation des Entwurfs auf eine gegebene Architektur zu. Günter Förg („Wandteilung“, 1986 – 93) bezieht…

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