Gespräche mit Kunstvermittlern · von Marius Babias · S. 382
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1993

»Wir haben als eine Art Schmetterlingsforscher nach Amerika geblickt«

Marius Babias sprach mit Christos M. Joachimides über die Ausstellung „Amerikanische Kunst im 20. Jahrhundert – Malerei und Skulptur“

Mit ihrer Ausstellung „Amerikanische Kunst im 20. Jahrhundert – Malerei und Skulptur“ schließen Christos M. Joachimides und Norman Rosenthal eine Ausstellungsreihe der Royal Academy of Arts zur deutschen, englischen und italienischen Kunst in diesem Jahrhundert ab. Sie läuft noch bis zum 25.7. im Berliner Martin-Gropius-Bau, später in der Londoner Royal Academy (17.9.-12.12.93). Insgesamt nehmen 62 Künstler und nur fünf Künstlerinnen teil. Zum ersten Mal kommt das größte Bild von Jackson Pollock nach Europa – „Mural“ von 1943. Joachimides und Rosenthal betonen die europäische Perspektive der Auswahl. Schwerpunkte bilden New York Dada, der Realismus und Präzisionismus der 20er Jahre, Abstrakter Expressionismus, Pop-art und Minimal art. Es fehlen Happening, Fluxus, Fotografie Concept-art und Land-art. Dennoch fiel die Kritik überwiegend freundlich aus, wenn auch mit kritischen Untertönen. So wurde das Auslassen der Fotografie und Concept-art besonders kritisiert, aber auch das Ignorieren der ideologischen Verklammerung der amerikanischen Kunst. Bekanntlich hatte Alfred Barr, Direktor des Museum of Modern Art, dem CIA den Tip gegeben, die Abstrakten Expressionisten, des Kommunismus verdächtig, als kulturelle Waffe gegen den Sozialistischen Realismus einzusetzen. Das vorzüglich edierte Katalogbuch (524 Seiten, 600 Abbildungen) ist bei Prestel, München, erschienen und kostet 118 Mark (in der Ausstellung 56 Mark). Der Etat in Höhe von 6 Millionen Mark wurde von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin bereitgestellt.

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M. B.: Die Amerika-Ausstellung wird in einer historischen Situation realisiert, da der europäische Staatssozialismus…

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