Ausstellungen: Wien · von Vitus H. Weh · S. 357
Ausstellungen: Wien , 1996

Vitus H. Weh

Wunschmaschine Welterfindung

»Eine Geschichte der Technikvisionen seit dem 18. Jahrhundert«

Die Maschinen kommen aus uns.« Das wäre wohl die These, auf die man die unzähligen Exponate, die für „Wunschmaschine Welterfindung“ in der Kunsthalle Wien ausgebreitet waren, extrem verdichtet bringen könnte. Ein wenig ausführlicher: »Der wichtigste Inspirationsgeber für technische Phantasien war, seit seiner „Öffnung“ im 18. Jahrhundert, der menschliche Körper. Die Disziplinierung seines Äußeren (durch die architektonischen Ordnungen der Gefängnisse, Spitäler, Fabriken und Büros, die Schlachtenformationen und Exerzierreglements) fand ihre Entsprechung in der Imitation seines Inneren: Solange sich die Technikentwicklung als Körperergänzung und -perfektionierung verstand, waren entsprechend die Anatomie und die inneren Organe die zentralen Vorlagen für alle Innovationen; d. h. als erst die mechanische Funktion der einzelnen Organe entdeckt war (als Blasebalg, Pumpe, Kabel, Filter usw.), war es zur Idee der Automation nicht mehr weit. Der Maschine gleichsam vorgängig ist die Wunschmaschine Mensch. Die Visionen der Technik sind gekoppelt an die jeweiligen Entwürfe des Menschen von sich selbst, und erträumte soziale und körperliche Lebenswelten lassen Unbegreifliches denken, lange bevor es technisch realisierbar ist. Sozial-, Kultur- und Technikgeschichte sind daher nicht voneinander zu trennen. Wer will z. B. abstreiten, daß die Mobilität durch die verschiedenen Transport- und Fortbewegungsmittel, die Fähigkeit an mehreren Orten gleichzeitig zu sein, die sozialen Bedingungen heute mehr beeinflussen als politische Entscheidungen? Und wahr ist auch, daß für technische Erfindungen wie das Telefon, den Fernsehapparat oder den Computer immer auch eine ästhetische und soziale Welt mit-erfunden werden mußte; allein schon die Anmutung und animistischen Komponenten, die den Apparaten…

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