Nachrichtenforum: Aktionen, Pläne & Projekte , 1991

Kunstfeindlich

Zwölf Stuttgarter Galeristen gehen mit der neuen Landesregierung hart ins Gericht. In einem offenen Brief warfen sie dem Kabinett Teufel (CDU) „kunstfeindliche Haltung“ und kulturpolitischen Kahlschlag vor: „Die Regierung ist dabei, die kulturelle Zukunftsplanung zu sabotieren und die Qualität des Standorts Stuttgart leichtfertig aufs Spiel zu setzen.“ Daß „Investitionen in kulturelle Infrastruktur beachtliche Sogwirkung auf Künstler, Multiplikatoren der Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft ausüben“, werde von den Protagonisten einer „schwäbischen Rentierlichkeit“ völlig verkannt. Exministerpräsident Lothar Späth hatte noch ein Projekt durchboxen wollen, welches „das Land keinen Pfennig gekostet hätte“, von seinen Nachfolgern aber „unter fadenscheinigen Vorwänden abgewürgt“ worden sei: einen Kulturgipfel in Stuttgart, wie ihn der Unternehmer Rudi Häussler und das „World Art Forum“ planten, unter dem Vorsitz des italienischen Außenministers de Michelis und mit dem CSFR-Staatspräsidenten Václav Havel wie weiteren 170 Prominenten.
J. R.

Knatsch in Cottbus

Aus westdeutscher Sicht ist es schwierig, nachzuvollziehen, wie in den neuen Bundesländern die Geschichte der DDR, persönliche Verstrickungen in den einstigen Machtapparat etc. aufgearbeitet werden. Daß manch einer sich als Vorreiter der „Wende“ aufspielt, Geschichte geklittert und Wahrheiten verdreht werden, ist typisch für das derzeitige politisch-geistige Klima. Hineingezogen in den Strudel der „Unterlassungen, Verdrehungen, ja sogar Falschdarstellungen“ fühlen sich die Kunstwissenschaftler der Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus. Stein des Anstoßes ist der ehemalige Direktor Heinrich Schnierz, dem seine Exkollegen vorwerfen, er schmücke sich heute in der Presse von der „Saarbrücker Zeitung“ bis zum „Spiegel“ unrechtmäßig mit Leistungen des Museums: „Die wichtigsten Ausstellungen der zurückliegenden Jahre … gehen ebensowenig auf Ideen und Initiativen des einstigen Direktors zurück, wie…

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