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Titel: Afrika - Iwalewa · S. 298 - 303
Titel: Afrika - Iwalewa , 1993

Asiru Olatunde

Der Yoruba-Ausdruck imoju-mora definiert die Kunst und das Leben von Asiru Olatunde. Mit diesem ästhetischen Begriff meinen die Yoruba: aufgeschlossen sein für die Aufgaben des Augenblicks, anpassungsfähig sein, die Bereitschaft für das Neue haben, dabei das Gefühl für das angemessene Maß bewahren.

Wie schon sein Vater und sein Großvater vor ihm, so arbeitete Asiru mit den Metallwerkzeugen des Eisengottes Ogun, und wie Ogun, der große Erfinder im Yoruba-Pantheon, so hat auch Asiru neue Wege in der zeitgenössischen afrikanischen Kunst gebahnt – sowohl im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne.

Asirus offensichtlich mühelose Entwicklung von der Produktion filigranen Schmucks zu monumentalen Aluminiumreliefs straft diejenigen Kunstkritiker Lügen, die immer noch an der falschen Meinung festhalten, daß afrikanische Künstler so traditionsgebunden sind, daß es in ihrem Werk keinen Platz für individuelle Erfindung gibt.

Asiru war ungefähr vierzig Jahre alt, als er damit begann, getriebene Arbeiten in dem neuen, wenn auch nicht ganz unbekannten Material Aluminium zu machen. Er setzte sich erfolgreich mit den für ihn noch neuen Problemen der Raumgestaltung auseinander. Er teilte seine Flächen mit Visionen auf, die er mit seinem „inneren Auge“ schon gesehen und entworfen hatte. Mit oju-inu bezeichnen die Yoruba ein gewisses intuitives Verstehen, das sich nicht von äußerlichen Erfahrungen herleiten läßt, wie etwa der Atmosphäre einer westlichen Kunstschule. Form, Substanz, Umriß, Rhythmus und Harmonie seines Sujets werden von Asiru wahrgenommen und im Material gestaltet.

Asiru ist ein Erneuerer, der Lösungen für eine ganze Reihe von komplizierten technischen und künstlerischen Problemen gefunden hat, mit denen vor ihm noch kein Künstler in seiner…

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