Gespräche mit Künstlern · von Heinz Schütz · S. 290
Gespräche mit Künstlern , 1994

Barbara Bloom

Aufgespießte Schmetterlinge

Ein Gespräch von Heinz Schütz

Im Herbst vergangenen Jahres erarbeitete Barbara Bloom zusammen mit Shelly Hirsch im Münchener Marstall „The Passions: of Natasha, Nokiko, Nicole, Nanette und Norma“. Die Musik-Performance-Installation handelt von Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen und Epochen (Marie Bonaparte, Katharina die Große, Heilige Theresa, Geisha, Mutter) und deren unterschiedlichem Verhältnis zu Sexualität und Leidenschaft. In Barbara Blooms Installation werden die Frauen via Liegemöbel, Lektüre (Buch, Brief, Zeitschrift), Schuhe und Accessoires verkörpert. Dieses allegorisierende Verfahren der Repräsentation spielt in Blooms Arbeit eine wichtige Rolle; man denke an die ironische Verkörperung der „Sieben Todsünden“ ebenfalls qua Möbel. Zentrale Themen von Blooms Untersuchungen sind Symmetrie, Schönheit, Tod und Vergänglichkeit. So vereint etwa ihre Installation „Signate, Signa, Temere Me Tangis Et Angis“ eine Schmetterlingssammlung mit aufgespießten Fotos symmetrischer Artefakte – die Fotos zeigen neben klassizistischen Architekturen auch Naziarchitekturen.

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Schönheit und Tod

H.S.: Immer wieder wurde auf den allegorischen Charakter Ihrer Arbeiten verwiesen. So können etwa die Möbel in der Installation für „The Passions“ als Verkörperung verschiedener Personen verstanden werden. Im traditionellen Verständnis drängt die Allegorie zum Begriff, in dessen Dienst sie das Sinnliche stellt. Welche Rolle spielt die sinnliche Dimension Ihrer Arbeiten?

B.B.: Eine große Rolle. Sie ist etwas versteckt, aber doch sehr stark präsent. Es gibt eine sehr sinnliche Seite meiner Arbeit, es gibt eine ironische, fast schmerzhafte Seite. Meine Arbeit hat sehr viel mit Ironie zu tun. – Was soll man dazu sagen? Das ist wirklich eine ganz allgemeine und sehr abstrakte Frage. Ich finde sie eigentlich sinnlos.

H.S.: Die Ihre Arbeiten…

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