Ausstellungen: Köln , 1983

Besser Lachen als Heulen

Sigmar Polke: Zeichnungen
Galerie Werner, Köln

’no future‘ Modeparole der 80er Jahre, um den Frust zu verdrängen. Frust gab’s in den 60ern sattsam. Da war’s manchem zum Heulen zumute. Was machen? Vietnam! Große Koalition – keine Chance für die Opposition! Überall Apparate mit alten Hüten und Zöpfen. Krusten! Also auf die Straßen, wenn drinnen niemand hören will, daß die Luft zum Ersticken ist. ‚Die Fantasie an die Macht‘, las man in Paris auf den Straßen. Da flogen die Steine. Die Fantasie war nicht nur lustig und schön. Ihre Gegner im System waren schließlich zu mächtig, um ihre rationalistisch-funktionalistischen Instrumente so mir nichts, dir nichts aus der Hand zu geben. Wichtiger aber als die Straßensteine waren die geistigen Steinschleudern. Sigmar Polke, potenter Prototyp dieser Generation, hat sie zu nutzen verstanden. Wer heute mehr als ein Jahrzehnt später seine gezeichneten ‚Waffen‘ zu Gesicht bekommt – die Galerie Werner bot anläßlich der Premierentage brilliante Beweisstücke – hat es keineswegs mit einer historischen Sammlung zu tun. Polke avanciert wohl zu einem der bedeutendsten Lehrmeister der nachfolgenden, der 80er Künstlergeneration, weil bei ihm immer schon die Wut zu groß war, um nur zu feilen. Er schleuderte die Waffen heraus. Und weil er dabei nicht heulte, sondern gründlich lachte, verrieten sie ihr Gift erst, als sie saßen.

Wenn einer Clownerie und Aggression zu verbinden wußte, dann er. Dazu Scharfblick und Intuition. So ,liest‘ man gerade heute das zeichnerische, das skizzenhafte Oeuvre mit Staunen, ein wenig sicher geschult ‚Irrationalitäten‘ der jüngsten Kunstszene. So entdeckt man, daß diese…

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