Titel: Situation Schweiz , 1983

CH-Kunst

von Martin Kunz

Um Haltung und Leistung der jüngeren Schweizer Kunst besser einstufen zu können, ist es sinnvoll, ihre Vorgeschichte – mindestens in einem knappen Überblick – darzustellen.

Abstrakt-konkrete Kunst

Einen ersten Aspekt bildet die wichtige Rolle der abstrakt-konkreten Kunst seit den 30er Jahren. Ihr gelingt es seit Ende der 50er Jahre, nach jahrelangem Ringen sich gegen die allgemein konservativen Kunst-. Vorstellungen in der Schweiz als einzige im In- und Ausland „offiziell anerkannte Schweizer Avantgarde“ durchzusetzen. Noch bis vor wenigen Jahren bildeten bei großen Auslandsausstellungen die prominenten „Konkreten“ Max Bill, Richard Paul Lohse, Fritz Glarner, Camille Graeser, Verena Loewensberg u.a. und deren Vorläufer wie etwa Johannes Itten, zusammen mit der Nachhut der zweiten Generation der Konkreten, etwa Jakob Bill, Willi Müller-Brittnau, Andreas Christen, Jean Bayer, eine Mehrheit, die das Bild der Schweizer Kunst eindeutig prägte (z.B. noch in der Ausstellung „Swiss Avant-Garde“, New York Cultural Center, 1971). Dieses Monopol auf Schweizer Modernität verdienten sich vor allem die Kämpfer der ersten Generation mit einem über 20 Jahre dauernden, mit viel Einsatz engagiert geführten Kampf gegen den Kunstkonservatismus im eigenen Land. Im etwas aufgeschlosseneren Ausland schätzte man diese für einmal progressive Kunstleistung der konkreten Künstler wie ihren Einfluß auf alle angewandten Gestaltungsbereiche, weil sie auch wie keine andere Kunstrichtung dem Bilde des Schweizers entsprach. Die vorher in der Geschichte der modernen Kunst weltweit berühmt gewordenen „Schweizer Künstler“ wie z.B. Alberto Giacometti, Paul Klee, Hans Arp und Sophie Täuber-Arp, Le Corbusier, wurden als eigenständige Persönlichkeiten und nicht als „Schweizer“ geschätzt, sondern als internationale Pioniere, die in…

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