Ausstellungen: Braunschweig · S. 337
Ausstellungen: Braunschweig , 1983

Die Stille des Stofflichen – Spannung und Flexibilität – Die Fremdheit und das Schweigen der Dinge

Reiner Ruthenbeck – Arbeiten 1965-1983
Kunstverein Braunschweig 22.4. – 26.6.1983

Der 46jährige Objektemacher aus Düsseldorf, der als Fotograf begann und dann bei Beuys studierte, liebt die lakonische Magie der einfachen Sachen, die introvertierte Verwandlungsfähigkeit der schlichten, gegensätzlich wirkenden Materialien. Er vertraut der meditativ gestimmten Körper-Erfahrung, weniger Farben (sehr oft Rot in verschiedenen Varianten) und den Grundformen, die bei ihm jedoch nie zu programmatisch-puristischen Grundnormen ausmagern. Anders als die banalen Objekte Claes Oldenburgs, die er schätzt, erscheinen seine Sachen nie als spektakuläre Artefakte; sie rechnen nicht mit dem Aha-Effekt und bauen nicht auf den vordergründigen Gag. Ihre Wirkung kommt eher auf dezenten Samtpfoten daher, ist eher bei Alice im Wunderland zu Hause als im poppigen, marktschreierischen Warenhaus Goliaths beheimatet.

Die in Magritte-Nähe angesiedelten Irritationsmöbel Ruthenbecks auf der letzten documenta gehörten zu den schlüssigsten und eindringlichsten Erlebnissen des Kunsttouristen in Kassel, die sich dem eingängigen Trend zum Gammeligen und Wilden ebenso entzogen wie zuvor schon den Ars povera-Attitüden, den Karopapier-Konzepten und den Minimal-Art-Rastern, die Ruthenbeck aber sehr interessieren.

Das Gespannte und das Schlaffe, das Aktive und das Passive, das Konstruktive und das Lässige sind seine Kontrastpaare. Reiner Ruthenbeck inszeniert, frei nach dem Brecht-Motto „Das Einfache, das schwer zu machen ist“, die Fremdheit und das Schweigen der Dinge im Raum.

Der Braunschweiger Kunstverein, erprobt in der Vorstellung jüngerer Skulptur, zeigte jetzt im nobel proportionierten Haus Salve Hospes, dessen fast intime Raumgliederung den Arbeiten Ruthenbecks optimal entsprach, erstmals in der norddeutschen Region eine größere,…

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