Ausstellungen: Hamburg , 1983

Todesbilder

Hamburger Kunstverein

Ein Alt-Wiener Spruch lautet: „Wann Du a Glick host, kannst beim Bootfahrn auf der oidn Donau sehn, wie’s a Leich aussi ziehn. Wann Du a Pech host, bist es selba!“. Die unsentimentale Lebensweisheit sei hier nur deshalb zitiert, weil sie so schön ins Klischee vom nekrophilen k. u. k. – Resterl Österreich paßt, das man offenbar auch in der Hamburger Ausstellung „Todesbilder“ wieder einmal finden kann – zumindest, wenn man der FAZ-Rezension Glauben schenkt, die zu dem Paul Celan paraphrasierenden Schluß kommt, der Tod sei ein Meister aus Österreich.

Anlaß zu dieser Einschätzung gab wohl die Tatsache, daß vier der zwölf Künstler, deren Arbeiten im Hamburger Kunst verein gezeigt werden, Österreicher sind: Da ist Günter Brus, der eigens für das Projekt „Todesbilder“ einen seiner surrealistisch-sado-masochistischen Zyklen gezeichnet und in alter Frische mit Bildtiteln kommentiert hat wie „Der Tod bringt uns um“ oder „Das Leben, ein Racheakt“ (Gesamtüberschrift der handlungslosen Bildgeschichte: „Hoffnung – Wüste der Erfahrung“). Da sind die rohen Kohlezeichnungen Alfred Hrdlickas – Bilder alter Menschen mit aufgeblähten Bäuchen und dürren Gliedmaßen. Und weder Arnulf Rainers überzeichnete Totenmasken fehlen (die, obwohl oft gesehen, zum Eindrucksvollsten der Ausstellung zählen), noch hat man die Dokumentationsphotos vergessen von den Aktionen des Wieners Rudolf Schwarzkogler.

Der Tod war für Schwarzkogler, der sich 1969 selbst tötete, ein fester Bestandteil seines Lebens und folglich seiner Arbeit, denn für ihn galt die romantische Idee der Einheit von Leben und Kunst. Der Tod faszinierte ihn und er war wohl gerade in seinen letzten Lebensjahren eng an einen Auferstehungsglauben geknüpft,…

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