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Magazin: Personalien · S. 362 - 362
Magazin: Personalien , 1989

Bildstörungen

Wie Schizophren Können Sponsoren sein?
Kölns „kunstfreund“ Alfred Neven DuMont gibt ein Beispiel, das nicht nur zum Nachdenken zwingen sollte.

Alfred Neven DuMont hat die Vorteile des Kunstförderns spät entdeckt. Dafür läßt er sich umso heftiger feiern. Den nötigen Resonanzboden hat er in der Kölner Presselandschaft, die ihm selbst gehört (EXPRESS, Kölner Stadtanzeiger, Beteiligung an der Kölnischen Rundschau). So ist denn auch selten ein Kulturereignis von einem so hymnischen Dauerfeuerwerk aus Vor-, Zwischen- und Nachberichterstattung begleitet worden, wie die (vorübergehende?) Umfunktionierung seiner leerstehenden Druckhalle – der „Blauen Halle“ – in eine Ausstellungshalle, mit dem jetzt effektvollen Namen „DuMont-Kunsthalle“. Hier erwiesen ihm im letzten Herbst ca. 20 Kölner Künstler die Ehre.

Doch wer fördert eigentlich wen?

Daß der Initiator dieser Kölner Kulturgroßtat gleichzeitig einer der großen Förderer von Unkultur in der Region ist, durch die Herausgabe des Boulevard-Blattes EXPRESS, wird gerne verdrängt. Ein Blatt, das durch Extremjournalismus bekannt geworden ist und sich erst jüngst durch pervertiertes Reporter- und Berichterstattungsverhalten im Gladbacher Geiseldrama hervorgetan hat.

Ein Blatt, das auf der ersten Seite der gleichen Ausgabe mit einer Schlagzeile „Hunde für den Kochtopf‘ Menschen anderer Kulturen zu Quasi-Kannibalen abstempelt und feindliche Emotionen hochschaukelt, in der sich der Presse-Zar selbst durch einen Schulterschlag des Aachener Schokoladenkönigs Ludwig in die Reihe der Megastars des Kunstbetriebes aufnimmt, anläßlich der feierlichen Eröffnung der Halle.

Wer Proteste erwartete, hat sich im Jahrzehnt geirrt. Der gesellschaftskritische Zeitgeist der 70er Jahre ist „überwunden“. Die meisten streßgeplagten Künstler zwingt ein blühender Betrieb von Ausstellung zu Ausstellung, Punkte sammelnd für bessere Marktbewertung. Das immer ambulanter werdende Gewerbe…

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