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Gespräche mit Künstlern · S. 357 - 361
Gespräche mit Künstlern , 1989

Über Tod, Eros, Sex, Onanie, Paranoia, Krieg, Hitler, Stalin:
Salvador Dali

Ein Interview von Niklas Delacroix

Am 23. Januar 1989 starb Salvador Dali. Nikas Delacroix sprach mit dem „größten malenden Paranoikern aller Zeiten „. Dieses Gespräch drucken wir als Nachruf; denn niemand kann einen so guten Nachruf auf Dali sprechen wie Dali selbst..

N.D.: Dali, diese schöne Bucht von Port Lligat, relativ abgeschieden, Ihr Haus, mit einer Mauer umgeben: Die Keimzelle Dalis?

S.D.: Das bin ich! Port Lligat, „gebundener Hafen“, diese Hütte, die mit mir gewachsen ist, meine Olivenbäume, die ich pflege, die Erde, die ich umgrabe, mein Boot da draußen, die Felsen, die Fliegen, meine Ameisen, die du hier kriechen siehst, ich lebe in ständigem Austausch mit alldem, ohne Radio, ohne Fernsehen, ich esse die Sardinen, die in meine Bucht schwimmen, jeden Morgen werde ich, der ich auf dem nordöstlichsten Flecken Spaniens lebe, als erster von der Sonne geküßt. Ich bin die Hand dieser katalanischen Erde, das Blut, das Auge, der Same dieses Landes. Und ich werde von dieser Erde hier verdaut werden.

Dali, was sind die entscheidenden Merkmale Ihrer Kindheit?

Die Fotografie meines älteren, toten Bruders, der ebenfalls Salvador hieß und der mir aufs Haar glich: Dieses Foto hing im Wohnzimmer neben der Reproduktion des Gekreuzigten von Velazquez. Ich nahm die Stelle meines toten Bruders ein, fühlte mich für seinen Tod verantwortlich: Was blieb mir, als mich beständig gegen den Tod zu behaupten? Ich entwickelte früh meine einsamen Rituale. Da ich von der Wirklichkeit getrennt war, schuf ich mir meine eigene. Immer vorläufig, vertretungsweise….


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