Ausstellungen: Frankfurt a.M./Basel · S. 364
Ausstellungen: Frankfurt a.M./Basel , 1991

Stephan Berg

Bruce Nauman

Skulpturen und Installationen 1985-1990

Museum für Gegenwartskunst, Basel, 23.9 – 10.12.90

Städel, Frankfurt a. M., 30.5 – 25.8.91

Seit das so ungreifbare und doch so wirkmächtige Phantom des Postmodernismus unser Denken bestimmt, haben wir uns daran gewöhnt, die Welt als Oberfläche zu begreifen. Die einst zentrale Frage nach den Inhalten dahinter wird zusehends sekundär, die Beschäftigung mit ihrer formalen Aufbereitung dagegen immer wichtiger. Die Form, die sich im Rahmen der klassischen Moderne weitestgehend der intendierten Funktion unterzuordnen hatte, hat sich heute völlig von ihrem Zweck emanzipiert und zur allein bestimmenden Größe aufgeschwungen. Dieser Befund gilt auch und in besonderem Maße für die zeitgenössische Kunst, die in einen tiefen krisenhaften Strudel aus solipsistischer Selbstreflexion und glattem Oberflächenstyling geraten ist.

Unter den wenigen Künstlern, die sich diesem heute herrschenden formalistischen L’art-pour-l’art-Diktat verweigern, gehört Bruce Nauman zu den konsequentesten. Seit mehr als 20 Jahren zeichnet sich das Werk des mittlerweile 49jährigen Amerikaners durch eine äußerste Ökonomie der Mittel aus, die, von allem Dekor entkleidet, ausschließlich auf existentiell Inhaltliches zielt. Was Naumans Kunst dabei so irritierend, verstörend, aber auch so wichtig macht, ist die Tatsache, daß er sich nie mit Kompromissen zufriedengibt. Sein gesamtes Schaffen ist diktiert von einer unbedingten Notwendigkeit, die keine Ablenkung und Ausreden kennt. Es ist, wie Nauman selbst sagt, die „Suche nach einer Kunst, die an neue Grenzen führt“ und Künstler und Betrachter gleichermaßen „zu einem gesteigerten Bewußtsein seiner selbst und der Situation“ zwingt.

Ein auratischer Kunstbegriff, wie ihn noch die Romantik kannte, ist diesem Werk folglich absolut fremd. Ihm geht es nicht…

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