Ausstellungen: Nürnberg , 1994

Martin Blättner

Claus Böhmler

»Denkbilder – Bildräume«

Albrecht-Dürer-Gesellschaft, Nürnberg, 11.11. – 19.12.1993

Kein Flimmern, kein Rauschen kein Fernsehbild. Statt dessen eine Beleuchtung im Halbdunkel und ein monotoner Summton aus dem Off. Die vermeintliche Monitorwand entpuppt sich als Attrappe leerer TV-Kartons. Der überlistete Betrachter, der einen Blick in die Röhre wagen wollte, sieht sich mit einer 30teiligen Installation konfrontiert. Das Gestell, das Licht und die Tonvibration dienen als Ersatz für einschläfernden Medienkonsum: Die Enttäuschung hält sich in Grenzen, der intellektuelle Gewinn ist dagegen beträchtlich. Endlich wurde das Faszinosum der neuen Medien einmal seiner nicht ungefährlichen Strahlkraft beraubt und die Banalität der Lächerlichkeit preisgegeben! Noch mehr: Claus Böhmler, dieser Aufklärer von bildnerischen Tricks und Manipulationen, erlaubt uns einen Blick hinter die Fassaden – die „Denk-Bild-räume“-Ausstellung in der Nürnberger Albrecht-Dürer-Gesellschaft wurde so angelegt. Der seit 1975 in Hamburg lehrende Künstler hat sich das Verdienst erworben, die Mechanismen suggestiver Medienpraxis aufzudecken – die Gebrauchsanweisungen werden stets mitgeliefert. Mit einer Video-Aufzeichnung auf einem weiteren, nun tatsächlich funktionierenden Bildschirm bringt Böhmler Licht ins Dunkel der Filmtechnik. Ausgesprochen didaktisch operiert er, indem er die einzelnen Schritte in diesem Verblendungszusammenhang transparent macht und das Füllhorn der Ideen nachvollziehbar ausbreitet. Ohne eine einzige Textzeile kommt dieses „elektronische Notizbuch“ aus. Somit schert Böhmler aus dem Einheitsbrei perfekter Videoclips aus. Zudem gelingt dem – etwas verkürzt als „Freibeuter der Medienwelt“ apostrophierten – Künstler ein interaktiver Brückenschlag zu den traditionellen Techniken wie der Handzeichnung, der Malerei, der Collage und der Objektkunst, da diese in das Gesamtkonzept einbezogen werden. Das kritische Reflexionsprogramm beinhaltet auch Strategien, die mehrspurige…

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von Martin Blättner

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