Gespräche mit Künstlern · von Helga Meister · S. 269
Gespräche mit Künstlern , 2005

Helga Meister

Dankbarkeit und frühzeitiges Staunen müssen wir wieder zulassen.

Ein Gespräch mit Jörg Immendorff anlässlich der Grossen Werkschau in der Neuen Nationalgalerie Berlin, 23.9.05 – 22.1.06

Jörg Immendorff ist in Berlin angekommen, mit einer roten Lidl-Stadt hebelt er die leichte, lichtdurchflutete Neue Nationalgalerie im oberen, gläsernen Geschoss aus den Angeln. Lidl, das war der fiktive Ort in den 60er Jahren, von dem aus er die Welt verändern wollte, auf seine Weise, doppeldeutig, humorig. Aber er juxt nicht mehr, sondern ist ernst geworden. Er benutzt keine billigen Papierwände für sein Szenarium, sondern ließ eine Stadt aus stabilen Kuben, mit trittsicheren Wänden und Ausblicken von oben bauen. Eine teure, aber spielerisch angelegte Architektur, als massive Schutzhülle für seine Werkblöcke. Man kriecht nicht mehr hinein, man steht aufrecht im Angesicht der Kunst, deren Titel voller Doppeldeutigkeit ist: „Male Lago – Unsichtbarer Beitrag“. Helga Meister sprach mit dem Künstler in seinem Düsseldorfer Atelier.

Helga Meister: „Male Lago – Unsichtbarer Beitrag“, das ist wie ein Bild mit vielen Rätseln. Sie spielen auf den Western „Ein „Fremde ohne Namen“ an, in dem Clint Eastwood nach Lago kommt, um seinen toten Bruder zu rächen, und die Stadt rot anstreichen lässt. Sie strukturieren in Berlin die lichte Halle mit sechs roten Häusern, in denen und zwischen denen Bilder und Skulpturen aus den letzten 40 Jahren Ihres Schaffens zu sehen sind. Aber warum sprechen Sie angesichts des starkfarbenen Szenarios von einem „unsichtbaren Beitrag“? Und warum zitieren Sie Lago, anstatt von einer Lidl-Stadt zu sprechen, wo einem doch Lidl auf Schritt und Tritt…

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