Titel: Kunst und Spiel II , 2005

Margarete Jahrmann

Ich spiele Leben:

Real Player in Real Games

Vom Psychologen Alan Watts stammt der Aphorismus, „Das Leben sei ein Spiel, dessen Spielregel Nr. 1 lautet: Das ist kein Spiel, das ist todernst.“ Der schottische Philosoph und Psychotherapeut Ronald D. Laing hatte offensichtlich Ähnliches im Sinne, als er in seinem 1971 erschienenen Buch „Knoten“ schrieb:“Sie spielen ein Spiel. Sie spielen damit, kein Spielzu spielen. Zeige ich ihnen, daß sie spielen, dann breche ich die Regeln und sie werden mich bestrafen.“ Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein, München/Zürich 1983

John L. Casti1 definiert den Begriff des Spiels als eine Abstraktion des wirklichen Lebens, mit anderen Worten als Trainingsfeld für Wirklichkeit. Salen und Zimmermann2 diskutieren den Begriff des magischen Zirkels, des durch Regeln geschützten Spielsystems. Sie erweitern den aus der Spieltheorie des Kulturhistorikers Johan Huizingas3 bekannten Terminus im Hinblick auf die technischen Besonderheiten der Computerspiele. In der boomenden Disziplin der Game Studies ist die Differenzierung (konzeptuelle Disjunktion) von regelgeleitetem Spiel (game) und freier Form des Spielens (play) grundlegend4. Mit „Transformative Play“ umschreibt die Gameforscherin Katie Salen5 jenes kreative Handeln von Spielern, die aktiv ihre Spiele verändern, die rigide Regelstruktur dauerhaft modifizieren und damit das spielerische kulturelle Schaffen ins Computergame einführen. Vernetzte Computerspiele können nicht mehr als triviale Systeme betrachtet werden, der magische Zirkel als Definitionsraum wird aufgehoben. Bei Real Gaming geht es nun neben der Überschreitung der Grenze zwischen game und play um jene zwischen Spiel und Leben. Real Player machen aus dem Sparringmatch einen echten Boxkampf!

Die Ausweitung der Game Zone

Die „Computergame Zone“6 findet ein neues…

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von Margarete Jahrmann

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