Titel: Kunst und Spiel II , 2005

Erkki Huhtamo

Zurücksprechen

Der Gedanke, dass man zu den Medien „zurücksprechen“ könne, ist in den Diskussionen der vergangenen Zeit oft ausgesprochen worden. Während in früheren Zeiten die Debatte um die Medien oftmals so geführt wurde, als wären die Rezipienten eine völlig schutzlose Masse, die einem audiovisuellen Bombardement hilflos ausgesetzt wäre, hat sich nunmehr der Schwerpunkt dahingehend verschoben, dass man annimmt, es gäbe einen Verhandlungsprozess zwischen Medien und Rezipienten, der das mediale Erlebnis mitbestimmt. Vor allem in den Studien zu Radio und Fernsehen ist jedelire (Julian Oliver) ,q3aPaint_23, 2002, Computerspielmodifikation die „Bildschirmgemälde im Stile des Amerikanischen Abstrakten Expressionismus erzeugt“. © Julian Oliver 2002.ner Standpunkt eröffnet worden. Anstatt dass man von einem Fluss der Information spricht, der undifferenziert und alles überwältigend über die Rezipienten fließt, begannen Radio- und Fernsehforscher Modelle zu entwickeln, die die Vielzahl möglicher Leseweisen in Betracht nehmen. Abhängig von der Kompetenz des Subjektes wird ein Konglomerat interpretativer Codes (soziale, ideologische, kulturelle usw.) vorausgesetzt, die den jeweiligen Lebensumständen in einer gegebenen Situation und zu einem gegebenen Zeitpunkt entsprechen. Die audiovisuellen Texte werden ständig im Bewusstsein des Rezipienten bearbeitet und mit Bedeutungen ausgestattet, die nicht immer den Absichten der Medienproduzenten entsprechen.

Diese Veränderung des Blickwinkels ist ohne Zweifel von einer Veränderung der medialen Landschaft beeinflusst worden. Die Einführung von Kabelfernsehen und von „pay-per-view“ Systemen hat die Wahlmöglichkeiten der Zuseher und Zuhörer vergrößert und das Sehverhalten beeinflusst. Ein Verhalten, das man als „Channel Surfing“ bezeichnet, hätte in den frühen Tagen des Fernsehens in den 1950er Jahren keinen Sinn gemacht, da es damals höchstens drei verschiedene…

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von Erkki Huhtamo

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