Titel: Kunst und Spiel II · von Anna Karina Hofbauer · S. 106
Titel: Kunst und Spiel II , 2005

Anna Karina Hofbauer

Öyvind Fahlström und das Spiel

Ein Spiel in seiner allgemeingültigen Bedeutung erfordert nur das eine: Regeln.“1 So definiert Öyvind Fahlström im Jahre 1966 das Spiel und bezieht sich „auf die Kompositionsmethode von Cage und auf Psychologen wie T. Leary und E. Berne.“2 Die Auseinandersetzung mit dem Spiel, dessen Strukturen und formale Entwicklung nimmt den Anfang im Jahre 1953 als Fahlström ein „Manifest für Konkrete Poesie“ verfasste. Das Büchlein wird im folgenden Jahr herausgegeben. In der konkreten Poesie werden zufällige Zeichen miteinander kombiniert, schwarze Linien bilden Buchstaben, welche zu Worten werden. Fahlström gestaltet diese Zeichen, indem er den Filzstift, ohne viel Kraft anzuwenden, über die Oberfläche des Papiers gleiten lässt. Das Zusammensetzen von Worten bildet Sätze und die unterschiedlichen Zeichen können nach Belieben kombiniert werden, erzeugen jedoch nur eine Bedeutung, wenn die Zusammensetzung bestimmten Sprachregeln folgen. Die schwarzen Linien verbleiben grafisch in ihrem künstlerischen Ausdruck, wobei eine gewisse Offenheit in der Ausformung der Linien zu sehen ist. Dies wiederum ermöglicht eine Variation der grafischen Formen der Linien. Indem die schwarze Linie aufhört, hat das Wort und damit auch die Bedeutung ihr Ziel erreicht. Kommt der Buchstabe oder das Wort zu einem abrupten oder zufälligem Ende, ist ein neues selbstständiges Zeichen kreiert worden – jedoch immer mit der potenziellen Möglichkeit einer neuen Kombination mit anderen Zeichen, die wiederum eine neue Bedeutung in einem neuen Satz bilden.3 Fahlström stellt in dieser Form der Poesie das geschriebene Wort, das gleichzeitig auch als selbstständiges Zeichen operiert, wie eine offene Plattform des Experimentierens dar. Es…

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