Titel: Das Theater der Embleme · S. 158
Titel: Das Theater der Embleme , 1989

Thomas Huber

Das Meer – Die Königin von Saba – Hier und Jetzt – Wasser, Salz und Bilder

Das Meer

So geschieht die Malerei. Aus der grünen Flasche wird eine Verschlußkappe Salz ins Wischwasser gestreut. So wie man mit einem Pinsel die gewählte Farbe auf die Leinwand aufträgt, wird das Salzwasser mit Lappen und Schrubber gleichmäßig auf den Boden aufgetragen. Der Boden wird von Schmutz und Staub gereinigt, als würde mit dem Putzen alles Vergangene getilgt und ein neuer Anfang geschaffen. Dergestalt das Wasser auf dem Boden verteilt, wird ein großes Bild vom Meer gemalt. Im geputzten Boden spiegelt sich der Raum, im Glanz des Parketts erkennt man die Spiegelung der vier Säulen.

Mit Besen und Eimer umgehend wird der Malerei ein Beispiel gegeben. Das Auftragen von Wasser, die Reinigung ist Gegenstand des Bildes. Und wie das Malen eines solchen Bildes von der Reinigung ein Abbild des Raumes sehen läßt, bringt die Reinigung des Bodens in der Spiegelung ein Bild desselben Raumes hervor. Bild und Abgebildetes sind kongruent, sie gebären die gleiche Wirklichkeit.

Der Raum, der zur Abbildung gelangt, ist groß, das Bild davon ist klein. Im Bild den geputzten Boden gesehen, denkt man sich den Boden, auf dem man steht, gereinigt. Mit geringem Aufwand wird ein großes Bild gemalt.

Man sieht die Holzmaserung im Parkett wie Wellen und möchte das Meeresrauschen vernehmen. In der spiegelnden Oberfläche reflektieren die Neonröhren, der Grund der schönen Helligkeit über dem Bild.

Die Königin von Saba

Bilder auszustellen meint auch den Raum, wie sie gezeigt werden sollen, mit deren Rätseln zu erfüllen….

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