Titel: Das Theater der Embleme · S. 142
Titel: Das Theater der Embleme , 1989

Stephan Huber:

Es gibt eine Verbindung von Geld und Tod

EIN GESPRÄCH MIT HEINZ SCHÜTZ

Der Geldaltar

HS: Die Rezeption von Kunst wirkt zurück auf ihre Bedeutung. Von daher hinterläßt auch das die letzten Jahre zunehmende Interesse an Kunst Spuren an ihr.

SH: Die geradezu inflationäre Beschäftigung mit Kunst führte zu ihrer Demokratisierung, was durchaus eine positive Seite haben mag, gleichzeitig jedoch den Verlust des Elitären bedeutet. Das Elitäre der Kunst stellte bisher sozusagen eine Schutzmaßnahme dar. Heute sind Künstler, wie früher nur Schauspieler, Gegenstand der Klatschspalten geworden. Werbung, Film und Design adaptieren künstlerische Formen und bedienen sich der Kunst. Das Ergebnis ist eine außerordentliche Verflachung und ein Verlust an Radikalität. Das eigentlich Trostlose ist jedoch die vollkommene Defizienz des Denkens, die in der „Don’t worry be happy“ – Mentalität der Gesellschaft ihre Anerkennung findet. Das verwundert nicht, denn das eigentliche Interesse, das den Kunstboom und die Verwertung von Kunst leitet, heißt Geld. Es bestimmt letztendlich selbst die Form der künstlerischen Arbeit. Qualitätsurteile verkommen zu Preiskategorie.

Geld wird in einer ganzen Reihe Ihrer Arbeiten Thema. Wenn Sie ihm in der Ausstellung „München Focus“ am Eingang der Hypo-Kulturhalle ein Monument setzen, bringen Sie die veranstaltende Institution auf den Begriff…

Ich wollte etwas Verbindliches formulieren. Da die fast einzige Verbindlichkeit, die heute noch existiert, Geld ist – es handelt sich um eine An Religionsersatz -, habe ich das Platteste und gleichzeitig Verbindlichste nobilitiert und einen für die Ewigkeit bestimmten Mosaikaltar des 20. Jahrhunderts gebaut. Dabei ging es mir keineswegs um Provokation, sondern ich wollte unter eine Reihe von Arbeiten…

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