Titel: Kunstforum-Special: Sponsoring · S. 265
Titel: Kunstforum-Special: Sponsoring , 1989

Individuelles Modell

Der Kunstraum Neuß

Im Treppenaufgang zu den Räumen einer ehemaligen Kartonagenfabrik sind auf langen roten grabschleifenartigen Fahnen mit silbergrauen Buchstaben die „offiziellen Sponsoren“ aufgelistet. „Wir machen das hier total amerikanisch in großem Stil“, erklärt Günter Meuter, Künstler, Designer, Exbeamter und Gründer des „Kunstraums Neuß e. V.“ Seit Sommer 1988 bereichert diese zwischen klassischem Kunstverein und Galeriewesen angesiedelte Initiative das Kulturleben am Niederrhein mit Laser-Copy-Art-Projekten von Dieter Glasmacher, Beiträgen von Otto Piene, Installationen von Tony Cragg, Ulf Rungenhagen oder dem Düsseldorfer Bildhauer Thomas Schütte. „Wir haben uns für den Standort Neuß nach dem Modell der Baumärkte auf der grünen Wiese entschieden, dezentral zwischen den Kulturmetropolen Köln und Düsseldorf, aber mit günstigen Autobahnanschlüssen in alle Richtungen“, erklärt Meuter selbstbewußt. Telefax-Aktionen und „Neusser Performance-Nächte“ sollen „mit Hilfe der Industrie die Stadt unterstützen“. Von der Kommune Neuß bekommt Meuter nämlich keinen Pfennig, als künstlerischer Leiter des Projekts stützt er sich auf den als gemeinnützig anerkannten „Verein der Freunde und Förderer des Kunstraums Neuß e. V.“ mit rund 80 Mitgliedern, Einzelpersonen wie Firmen und Szene-Größen wie Manfred Schneckenburger als Kurator, und auf einen Sponsoren-Pool von mehr als 50 Unternehmen, darunter Großkonzerne wie Coca-Cola und Nissan. „Anfragen kriegen die Firmen genug, man muß nur das richtige Konzept haben“, so Meuter etwas vollmundig zu seiner Erfolgsstrategie. Man muß nur als erster in die Lücke stoßen: „Wir haben bisher nur Sport und Musik gesponsert und für das kulturelle Engagement national noch kein Konzept entwickelt“, erklärt dazu Coca-Cola-Sprecher Hillebrand, „obwohl wir sehen, daß der Kultursektor für die Unternehmensdarstellung immer…

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