Titel: Das Theater der Embleme · S. 150
Titel: Das Theater der Embleme , 1989

Rudolf Herz:

Rote Fahnen

EIN GESPRÄCH VON HEINZ SCHÜTZ

HS: Die Verwendung politischer Embleme – Hakenkreuz, Fasces, Trikolore, Hammer und Sichel – zielt im Kontext jüngerer Kunst häufig auf die latente Entpolitisierung der Embleme. Paradigmatisch hierfür kann eine Äußerung Christine Pelikans stehen, in der sie darauf insistiert, daß das Hakenkreuz heute kein nationalsozialistisches Symbol, sondern die altindische Swastika darstelle. Hier zeigt ich eine spezifische Form von Enthistorisierung und politischer Entdifferenzierung. Politische, sprich revolutionäre Symbole und Bilder stehen im Zentrum Ihrer künstlerischen und fotohistorischen Arbeiten. Auch hier stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von historischem und ästhetischem, von einstigem und aktuellem Gehalt der verwendeten Zeichen und Bilder.

RH: Geschichte ist die Vor-Geschichte, ganz einfach gesagt, die unerläßliche Bedingung unseres gegenwärtigen Daseins. Die Erinnerung an Geschichte erfolgt in bestimmten Topoi und Bildermythen. Mich interessieren diese Geschichtsbilder des „kollektiven Gedächtnisses“, wie sie entstehen, wie sie aussehen, und auch, mit welchen Hoffnungen an die Zukunft sie verbunden sind. In der Reihe „Russenbilder“ greife ich auf zentrale Mythen der russischen Revolution und nachrevolutionären Kunst zurück. Hier bildeten sich Standards heraus, die den Charakter von Revolutionsikonen bekamen. Ich unterziehe sie sozusagen einer Kritik, konstruierte neue Bilder mit alten Fragmenten. Reflexionsgegenstand ist das Verhältnis von Bild und Wirklichkeit, von geschichtlich-politischem Gehalt und dem zeichenhaften Auftreten, der ästhetischen Form der Bilder. Es ist der Versuch, die ästhetische und semantische Dimension zusammenzuhalten, ihre Dialektik zu fassen.

Die Art, wie Kunst heute vielerorts mit den Erscheinungsformen von Geschichte und Kunstgeschichte umgeht, läuft auf eine ästhetische Abstraktion, eine Entleerung ihres Gehalts hinaus. Die Strategie ist…

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